Storytelling für Journalisten und Psychologen

Zwei Bücher kann ich aktuell zum Thema Storytelling empfehlen: Uneingeschränkt „Storytelling für Journalisten“ von Marie Lampert und Rolf Wespe sowie mit Einschränkungen „Storytelling“ von Dieter Georg Herbst.

Die deutsche Online-Redakteurin Marie Lampert und der Schweizer Journalist und Dozent Rolf Wespe vermitteln auf solide, praxisorientierte Weise, worauf beim Schreiben von Reportagen nach erzähltechnischen Gesichtspunkten zu achten ist. Sehr nützlich ist dabei vor allem das Kapitel über die Erzählverläufe, die anhand ausgewählter Beispiele einige idealtypische Strukturen von Geschichten erkennbar machen: von der chronologisch erzählten Story bis hin zur archetypischen Heldenreise. „Storytelling für Journalisten“ ist ein gut aufgebautes, übersichtliches Buch, das in der Journalismus-Ausbildung nicht fehlen darf.

Lampert und Wespe stellen in ihrem Buch das Konzept der "Leiter des Erzählers" vor, die vom Konkreten (Bodennähe) zum Abstrakten (Kopfbereich) und zurück führt. Gute Geschichten zeichnet aus, dass sie alle Bereich der Leiter abdecken.

Lampert und Wespe stellen in ihrem Buch das Konzept der „Leiter des Erzählers“ vor, die vom Konkreten (Bodennähe) zum Abstrakten (Kopfbereich) und zurück führt. Gute Geschichten zeichnet aus, dass sie alle Bereiche der Leiter abdecken.

Ziemlich kompliziert: der Ansatz von Dieter Georg Herbst
Etwas komplexer handelt Dieter Georg Herbst das Thema ab: Mit üppiger Theorie, garniert mit etwas Praxisbezug, führt er wortreich in die Grundlagen und höheren Weihen des Storytellings in der PR und Werbung ein. Leider geht Herbst dabei etliche Dinge komplizierter als nötig an, etwa wenn er empfiehlt, das psychologische Modell der Transaktionsanalyse in der PR-Planung zu berücksichtigen. Das ist zwar originell, aber nicht wirklich praxistauglich, weil man ohne den Umweg der psychologischen Modellierung viel leichter ans Ziel gelangt und für gewöhnlich weder in der Werbung noch in der PR die Zeit hat, den Dingen mit der Transaktionsanalyse auf den Grund zu gehen – noch dazu, wo der Mehrwert nicht erkennbar ist.

Dennoch sind Herbsts Ausführungen vor allem zur Planung von Storytelling-Kampagnen in der PR im Großen und Ganzen interessant. Zu empfehlen allerdings nur jenen Menschen, die bereits fundierte Kenntnisse bzw. praktische Erfahrungen in der PR-Konzeption haben und die allzu ausführlichen Anleitungen im Buch von daher auch relativieren (und nach kritischer Sichtung guten Gewissens ignorieren) können.

Marie Lampert, Rolf Wespe: Storytelling für Journalisten.
2., überarbeitete Auflage. UVK Verlag: Konstanz – München 2012. 262 Seiten.
Dieter Georg Herbst: Storytelling.
3. überarbeitete Auflage. UVK Verlag: Konstanz – München 2014. 216 Seiten.