Die Extremsammler von Feldbach. Eine Rundfahrt

Im Bezirk Feldbach wird der Sammelleidenschaft gefrönt wie sonst kaum wo in der Steiermark. Und dabei ist nicht von Briefmarken oder Bonuspunkten die Rede. Beginnen wir unsere Rundfahrt zu einigen der leidenschaftlichsten Sammlern in Edelsbach bei Feldbach, wo schon Franz Gsellmann seine berühmte „Weltmaschine“ aus zusammengesammelten Teilen erschuf. Eine zweite Attraktion des Dorfes ist das „Brückenbaumuseum“ im Ortszentrum. Die Modellbauerin und Brückenexpertin Renate Theißl stellt hier ihre umfassende Sammlung von Modellbrücken zur Schau – von den einfachsten Holzbrücken bis hin zu hochkomplexen Träger-, Bogen- und Spannkonstruktionen. Und weil die Welt im Maßstab 1:30 nicht alles ist, hat die Sammlerin vor einigen Jahren begonnen, auch originale alte Brücken, die ausrangiert wurden, und brückenähnliche Objekte anzukaufen. Die sind nun im Freigelände des Museums zu sehen. Der ganze Stolz der Sammlerin: eine 30 Meter lange, zig Tonnen schwere Eisenbahnfachwerkbrücke aus massivem Stahl.

Gehören Sie auch zu den Leuten, die nichts wegwerfen können? – Dann sollten Sie die Sammlung verstoßener Schätze besuchen, die Alois und Margareta Schwarz in ihrem Haus in der Nähe von Trautmannsdorf ausgestellt haben. Herr Schwarz arbeitete bei einem Entsorgungsunternehmen; die letzten sechs Berufsjahre hat er auf seinen Fahrten mit dem Müllauto brauchbare Gegenstände aus dem Müll gerettet. Auf diese Weise haben sich rund 4.000 Objekte angesammelt, die er und seine Frau im umgebauten Heuboden ihres Hofes ausstellen: Unzählige Spieluhren finden sich da, Leuchter, bunte Flaschen, eine goldfarbene Elvis-Büste, Porzellanpuppen, Besteck und Geschirr, Heiligenbilder, Fernsehlampen in Form von Modellschiffen, Muschelsammlungen, alte Geldscheine, ein bayrischer Bierkrug aus dem Jahr 1918, zig Armbanduhren, Gläser, Krickerln und was sonst noch so alles die Wohnzimmer der Gegend zierte. Die „Sammlung verstoßener Schätze“ ist eine unendliche Fundgrube von herzerwärmendem Kitsch. Aber sie sie ist auch ein Spiegel unserer Überflussgesellschaft und des sich ändernden Geschmacks.

Vom Motorsägensammler …
Nicht weit entfernt können wir in der Nähe vom Buschenschank Dunst kurz vor Straden Franz Berghold besuchen. Der gelernte Mechaniker sammelt alles, was Motoröl braucht, hat sich aber insbesondere auf historische Motorsägen spezialisiert. Ob er die größte Motorsägensammlung in Österreich hat, kann er nicht sagen; aber mit 400 Stück aus ganz Europa und den USA ist er auf jeden Fall ein heißer Anwärter auf diesen Ehrentitel. Wuchtige Zweimannsägen aus den 1950er-Jahren sind in seiner Sammlung ebenso vertreten wie exotisch motorisierte Sägen. Die schönsten Stücke hat Herr Berghold in der Garage aufbereitet, doch im und hinter dem Haus türmen sich noch weitere Schätze, darunter zwei Oldtimer, über 30 alte Traktoren, etliche Motorräder, Standmotoren, zig jüngere Motorsägen (zum Tauschen), Rasenmäher, Balkenmäher und und und. Ein geplanter Zubau beim Haus soll die turbulente Ausstellungssituation zumindest der historischen Motorsägensammlung verbessern helfen.

Herr Berghold sammelt alte Motorsägen

Nach so viel geballter Sammelleidenschaft ist eine Einkehr angeraten. Weil es zum Thema passt, tun wir das beim Bulldogwirt südlich von Straden. Das zu 120 % urige Wirtshaus wird heuer 100 Jahre alt und ist eine Mischung aus busgruppen-geeichtem Gasthaus, Bikertreff und Freilichtmuseum. In über 45 Jahren Sammlertätigkeit hat Seniorchef Erwin Wiedner etliches zusammengetragen: von Bauernhäusern und Nebengebäuden aus dem 18. und 19. Jahrhundert über eine komplette alte Schmiede und aberzählige alte landwirtschaftliche Geräte bis hin zur historischen Auto-, Traktor- und Motorradflotte, wobei hier eine gewisse Vorliebe für die nationalsozialistischen Jahre ins Auge sticht. Politisch sensiblen Menschen, aber auch Puristen steigt beim Bulldogwirt eher die Grausbirn‘ auf; alle anderen können sich freuen, dass es Orte gibt, wo noch tausend Mal mehr Zeugs zusammenkommt, als man selbst im Gartenhüttel gehortet hat. Gegessen wird beim Bulldogwirt übrigens im alten, vollgestopften Salettl, und drei Mal im Jahr findet am Gelände – ja was? – ein Flohmarkt statt.

… zum Motorradsammler
Wir verlassen nun die Stradener Gegend und fahren über Bairisch Kölldorf ostwärts in Richtung St. Anna am Aigen. Was wir hier suchen? – Die einzige vollständige Sammlung aller je in der Steiermark gebauten Puch-Motorräder, angefangen vom Modell A aus dem Jahr 1903 bis zum Modell 250 SG. Wo wir die finden? – Im Örtchen Jamm im Motorradmuseum, das an Wochenenden geöffnet hat. Sepp Legenstein hat nicht nur alte Motorräder und Standmotoren gesammelt, er versteht es auch, sie zu präsentieren. In dem eigens für diesen Zweck errichteten Gebäude hat er einen Teil seiner Schätze übersichtlich aufgereiht. Es sind vor allem zivile Motorräder aus der Zeit bis 1945, die es dem Sammler angetan haben. Sein großer Stolz sind die erwähnten Puch-Motorräder, aber auch zahlreiche historische BMWs und weitere deutsche, englische und amerikanische Maschinen mit allerlei technischen Finessen können bestaunt werden, so zum Beispiel eine britische BSA Typ L (1922) mit geflochtenem Beiwagen.

Und weil wir in der Nähe sind, können wir die Fahrt durch das Sammlerland bei einer Sammlung der anderen Art ausklingen lassen: In der „Gesamtsteirischen Vinothek“ im Ortszentrum von St. Anna am Aigen stehen über 100 steirische Weine aus allen Regionen zur Verkostung bereit. Zahlreiche Radfahrer, die die Panorama-Radtour machen, kehren hier ein, um sich mit Welschriesling, Schilcher, Zweigelt und Co. legal zu dopen und auf der luftigen Terrasse ein Gläschen mit Aussicht auf das nahe Dreiländereck Österreich-Slowenien-Ungarn zu genießen. Weinfreunde erhalten an der Theke fachkundige Beratung, und jeden Samstag Nachmittag kann man unter Anleitung eines regionalen Winzers an seinem Geschmackssinn und seinem önologischen Fachvokabular arbeiten. Wir lassen hier unsere Runde ausklingen, um die gesammelten Eindrücke zu verarbeiten; wohl wissend, dass wir eigentlich nur einen Teil dessen besichtigt haben, was in der Region so alles gehortet wird.

Werner Schandor

Dieser Text erschien im Juli 2010 im Magazin „VIA. Airportjournal Graz“.