Die Mitte ist da

Die neue Ausgabe des Feuilletonmagazins schreibkraft beschäftigt sich auf 88 Seiten in konzentrierten und exzentrischen Beiträgen mit Risiken der Mitte und ihrer Randerscheinungen.

„In Gefahr und großer Noth / Bringt der Mittel-Weg den Tod“ hielt Friedrich von Logau bereits im 17. Jahrhundert fest. Den (fast) gleichnamigen Film Alexander Kluges aus dem Jahr 1974 nimmt Vrääth Öhner in seinen Überlegungen zur Philosophie der Mitte als Ausgangspunkt um festzustellen, dass Gesellschaften westeuropäischer Prägung „ihre Mitte über das gesamte gesellschaftliche Feld ausgedehnt haben“.

Doch die Mitte steht nicht erst seit dem 17. Jahrhundert unablässig im Zentrum zahlreicher Debatten und Überlegungen, sie zieht sich wie ein roter Faden durch die abendländische Kulturgeschichte. „Ob Aristoteles, Luther, Campanella, Ludwig XIV, Rudolf Steiner oder Edmund Stoiber – wer nach Transzendentem strebt, der propagiert die Mitte“, stellen die „schreibkräfte“ Julian Blunk und Gudrun Sommer fest. In solch illustrer Runde darf natürlich Wolfgang Schüssel nicht fehlen, der meint, „wer Arbeitsplätze will, muss den Mittelstand stärken”. Was genau es mit diesem ominösen Mittelstand auf sich hat, untersucht Brigitte Fuchs unter Zuhilfenahme von Erdkarten, den gesammelten Harry Potter-Ausgaben und dem Wiener U-Bahn-Netz, und sie kommt zum Schluss, dass der „Verlust der Mitte“ gemeinhin als Katastrophe gilt. Um dem vorzubeugen, begibt sich Christiane Kalss auf die Suche nach dem Lebensmittelpunkt und findet dabei die Website von „Nah und Frisch“. Katja Schmid kauft dortselbst ein und erklärt, was man mit einem „Hohlknochen aus dem Hause Kong“ so alles anstellen kann („mit Leberwurst, Erdnussbutter oder Schmierkäse füllen“ nämlich), Wolfgang Kühnelt trauert der Position des „Spielmachers“ im Fußball nach, und David Staretz beobachtet, dass motorisierte Verkehrsteilnehmer mit Vorliebe die Mittelspur benützen, offensichtlich aus Imagegründen – Rechtsfahrer stünden, so Staretz, hierarchisch „nur knapp über dem Radfahrer, der sich von seinem Hund ziehen lässt“.

Autorinnen und Autoren von Heft 13: Julian Blunk, Helwig Brunner, Ann Cotten, Sabine Dengscherz, Klaus Ebner, Sarah Fötschl, Brigitte Fuchs, Hermann Götz, Egyd Gstättner, Michaela Hawlik, Wilhelm Hengstler, Roswitha Jauk, Christiane Kalss, Wolfgang Kühnelt, Hannes Luxbacher, Eva Martischnig, Patrick Merziger, Klaus Nathaus, Vrääth Öhner, Astrid Poier-Bernhard, Werner Schandor, Katja Schmid, Stefan Schmitzer, David Staretz, Claudia Taucher, Christoph D. Weiermair, Serjoscha Wiemer.

Ab sofort online auf http://schreibkraft.adm.at

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