Mitm Fredl noch Waggaberg

Der Fotograf und Künstler Christian Strassegger hat im Wiener monochrom-verlag einen Fotoband mit seinen Verkehrsspiegel-Bildern vorgelegt, die er in der Oststeiermark gemacht hat. Andrea Sailer, Cordula Simon, Andrea Wolfmayr, Roland Gratzer und ich haben literarische Texte übers Unterwegssein in der Region beigesteuert. Hier ein Auszug aus meinem Beitrag „Untawegs in Füastnföld“

Mitm Fredl noch Waggaberg
Früher sprudelte noch kein Wasser aus der Tiefe, und dort, wo heute die ausgelaugten Wiener im Hotel Steirerhof auf den Luxusliegen dösen, gab es nur eine Wiese. Und daneben ein Wäldchen und noch eine Wiese. Und neben dieser Wiese einen Parkplatz. Und auf dem Parkplatz den Fredl, der sich an die Motorhaube lehnte und in die Wiese reierte. Rote Mischung, Cola-Rum, Bier, alles durcheinander. „Foa ma Waggaberg,“ hatte er am Abend gemeint, als wir in Fürstenfeld beim Lippe im Gastgarten saßen und über Gott und die Welt philosophierten – oder über das, was wir von ihr wussten, damals. Also Wagerberg, in die Disko. Die Disko war noch eine Disko und kein Club, die Musik war noch Musik und kein Techno. Die Leute aus dem Umkreis von 25 Kilometern trafen sich hier; die Motoren der Puch Cobras am Parkplatz röhrten auf, wenn die Waltersdorfer und Leitersdorfer und Burgauer eintrudelten, letztere kamen über Wagerbergberg nach Wagerberg. Die Privilegierten kamen mit dem Auto. Wir kamen mit dem Fredl in seinem roten Opel Manta.

Runde um Runde drehten wir durch die Disko, besetzten mit den Freunden einen Tisch, tranken Bier um Bier und anderes bis zum Abwinken, schauten sehnsüchtig zu den aufgetussten Mädchen, die für uns Schüchtis unerreichbar waren. Im Öl dann auf die Tanzfläche oder raus auf die Wiese zum Speiben, während die Musik in den Schädeln polterte und die Grenzen zwischen innen und außen verschwammen.

Irgendwann sehr spät, wenn in der Disko alle nur noch torkelten, fuhren wir ham noch Fürstenfeld im roten Manta vom Fredl. Wenn es geregnet hatte und die Kröten über die Straße hüpften, stieß er einen Kampfruf aus und fuhr in Schlangenlinien, um so viele Kröten wie möglich zu überfahren. Bei jeder, die es erwischte, machte es einen ganz leichten, gedämpften Rumpler. Hinter dem Manta eine Spur zermatschgerter Tatschker, und uns hinten auf der Rückbank warf es bei Fredls Krötenslalom hin und her, bis der nächste das Bedürfnis hatte, sich zu übergeben.

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Erhältlich ist der 30 x 27 Seiten große, 196 Seiten starke literarische Fotoband um 45 Euro im ausgewählten Buchhandel oder direkt beim Künstler (www.chri-strassegger.at).