„Diwan“-Kunstkarawane nähert sich der Südoststeiermark

„Die regionale08 hat die Nachfolge der Landesausstellungen angetreten, in zeitgemäßen Formaten können sich die Regionen unseres Landes künstlerisch entwickeln und präsentieren. Die Veranstaltungen werden die Nahtstelle von Kunst und Alltagsleben markieren, neue Räume bespielen und die Bevölkerung in eine Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen und künstlerischen Themen einbeziehen“, hebt LH-Stv. Kurt Flecker die Vorgaben des neuen Festivals hervor. „Das Thema des Festivals soll durch Gegenwartskunst kommuniziert werden. Ich bin zuversichtlich, dass sich bereits die erste regionale nachhaltig positiv auf das kulturelle Bewusstsein der Steiermark auswirkt. Zeitgenössische Kultur braucht Raum und Zeit zum Wachsen, die Steiermark soll sich mit den regionale-Festivals im biennalen Rhythmus national und international als flächendeckend lebendiges Kulturland präsentieren.“

2008 wird die erste regionale unter dem Motto „Diwan – Grenzen und Kongruenzen“ stattfinden. Unter der künstlerischen Leitung von Dieter Spath und der regionalen Koordination von Bgm. Kurt Deutschmann hat ein Team rund um die Organisatoren Alexander Kada und Gerolf Wicher gemeinsam mit der Kulturabteilung des Landes ein überzeugendes Konzept erstellt. „Die erste regionale ist natürlich die schwierigste, die riskanteste. Deshalb danke ich ganz besonders jenen Mutigen, die das Eis brechen und das erste von hoffentlich vielen erfolgreichen regionalen Kulturfestivals auf die Beine stellen“, so Kurt Flecker. „Dazu gehören neben den bereits genannten operativ Tätigen natürlich auch der Landeskulturbeirat und der Festivalbeirat unter der Leitung von Eva-Maria Stadler.“

Der künstlerische Leiter Dieter Spath will „einen zweiten Blick auf die Region werfen. Wir bespielen Orte, die dadurch neu entdeckt und verstanden werden können“ und erklärt anhand des Beispiels Getreidesilos: „Die Silos sind in der Wahrnehmung schon so ausgeblendet, dass sie den BewohnerInnen im Alltag nicht mehr auffallen“. Dieter Spath versteht den regionalen Aspekt als Leseanleitung der anderen Art, „um das Alltägliche einer Wiederbetrachtung zugänglich zu machen.“
„Den Begriff ’oriental’ denken wir sehr breit. Der Orient reicht für uns vom Nahen Osten bis Fernasien. Um diesen breiten Begriff fassen zu können, beschäftigen wir uns nicht politisch historisch damit, sondern wir beschäftigen uns mit dem Begriff Orient als Projektionsfläche in den Köpfen der Menschen“, erklärt der künstlerische Leiter. „Orient sieht Okzident, Okzident sieht Orient – wir wollen uns bewusst die Konstruktion der Bilder anschauen, die wir vom Orient haben.“
„Translational (Übertragung, Übersetzung) bezieht sich auf den berühmten Oststeirer Joseph von Hammer-Purgstall (1774 – 1856). Er war nicht nur ein Experte für den Orient, sondern auch er war einer der wichtigsten Übersetzer seiner Zeit vom Arabischen ins Deutsche“, so Dieter Spath.

Bgm. Kurt Deutschmann, LH-Stv. Kurt Flecker und der künstlerischer Leiter der regionale08, Dieter Spath, beim Pressegespräch (v.l.). Foto: textbox

Kurt Deutschmann freut sich besonders über die starke regionale Beteiligung an den Projekten: „Die Projektteams haben im Auftrag des Landes das von der Jury ausgewählte Rohkonzept „Diwan“ zu einem umfassenden Programm ausgearbeitet. Dabei konnten viele regionale Kulturinitiativen zur Mitgestaltung und Mitproduktion gewonnen werden, das ist bereits ein erster großer Erfolg der regionale08. Eine nächste Aufgabe wird es sein, die Bevölkerung der Region und Migranten-VertreterInnen eng in das Programm mit einzubeziehen. Mit knapp 30 Programmpunkten in verschiedenen Formaten sollen 14 Gemeinden der Region bespielt werden. Die Bedeutung der regionale08 liegt vor allem auf kulturellem, aber zweifellos auch auf wirtschaftlichem und touristischem Gebiet. Mit dem Festival können wir die Region Südoststeiermark noch stärker der nationalen und internationalen Öffentlichkeit präsentieren.“

Die regionale08 – „DIWAN“ wird von 5. Juli bis 14. September 2008 stattfinden.
Es sind Programme in verschiedenen Formaten in 14 Gemeinden der Südoststeiermark geplant. Festivalzentren sind die Stadt Feldbach und das Schloss Hainfeld, der ehemalige Sitz der Familie Hammer-Purgstall. Es wurden knapp 30 Programmformate entwickelt – von der bildenden Kunst über Musik, neue Medien, Literatur, Tanz bis zum Theater. Die regionale Verankerung, Projekte im öffentlichen Raum, soziokulturelle Projekte, touristische Projekte sowie ein Kinderprogramm sind weitere wesentliche Eckpunkte der regionale08. Mit der Produktion der Programmpunkte soll bereits im November 2007 begonnen werden.

Das Festivalmotto „DIWAN – Grenzen und Kongruenzen“ bezieht sich auf den historischen und den aktuellen Austausch zwischen Orient und Okzident, konkret der Südoststeiermark. Die nachhaltige Etablierung kultureller Orte in der Region gehört zu den Hauptzielen des Festivals. Von diesem regionalen Aspekt ausgehend und gemeinsam mit ihm steht der zeitgenössische Diskurs mit dem Orient im Zentrum des Festivals. Der Orient wird dabei nicht als konkreter politischer oder historischer Raum verstanden, sondern als weiträumige Projektionsfläche. Ein weiterer Schwerpunkt widmet sich der Kunst des Übersetzens zwischen den Kulturen. Regional / oriental / translational lautet der geplante Dreischritt der regionale08.
Den konzeptionellen Ausgangspunkt für das Festival bilden Leben und Werk Josephs von Hammer-Purgstall (1774 – 1856). Der Gelehrte gilt mit seiner zehnbändigen „Geschichte des osmanischen Reiches“ als Begründer der Osmanistik. Als einer der führenden Übersetzer seiner Zeit aus dem Arabischen ins Deutsche regte er zudem durch seine Übersetzung vom Gedichtband „Der Diwan“ des persischen Mystikers Hafis im Jahr 1812 Johann Wolfgang von Goethe zur Auseinandersetzung mit persischer Dichtkunst und letztlich zum „West-oestlichen Divan“ (1819) an.

Quelle:
Presseinformation Büro Landeshauptmann-Stv. Dr. Kurt Flecker

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