Die Textbox bietet gründliche Lektorate

Hilfreiche Lexika fürs Lektorat

Beim Schreiben und beim Lektorieren tauchen immer wieder Zweifelsfälle auf, die nach Klärung verlangen. Zum Beispiel:

  • Heißt es gefaked oder gefakt? Geliked oder gelikt? Getimed oder getimt?
  • Ist „die Krautfleckerl“ oder „die Krautfleckerln“ richtig?
  • Und welche Bedeutungen kann eigentlich das Wort „Freund“ haben und seit wann kennt man es im Deutschen?

Vor wenigen Jahren noch hätte ich dafür in meinen bevorzugten Wörterbüchern nachgeschaut: dem Duden, dem Rechtschreib-Wahrig, dem Österreichischen Wörterbuch und den Duden-Bänden 7 (Herkunftswörterbuch) und 9 (Sprachliche Zweifelsfälle).

Das Amtliche Regelwerk

Heute wird Google befragt, um zu erfahren, dass im Partizip Perfekt jetzt beides geht: gefaked und gefakt, geliked und gelikt, getimed und getimt. Googles KI verweist kuriosweise auf einen Blogbeitrag einer Schweizer Kommunikationsagentur aus dem Jahr 2016. Dabei hieß es noch bis 2023 im Amtlichen Regelwerk der deutschen Rechtschreibung: „Bei Fremdwörtern aus dem Englischen werden Flexionsendungen in der Regel an die deutsche Laut-Buchstaben-Zuordnung angepasst.“ Korrekt war 2016 also nur die Endung -t: Gefakt, gelikt und getimt.

Erst mit der 2024 veröffentlichten Überarbeitung des Regelwerks sind die aus dem Englischen übernommenen Schreibweisen auf -ed bei faken, liken und timen ebenfalls amtlich korrekt: gefaked, geliked und getimed. Aber Achtung, das gilt nicht für flektierte Formen: Nur die „gefakte“ Nachricht ist richtig, die „gefakede“ falsch!

Wer alles über das Faken, Liken und Timen im Kontext der deutschen Grammatik wissen will, wird beim Grammatischen Informationssystem (grammis) des Leibniz-Instituts der deutschen Sprache (IDS) fündig. Es hat dieser Frage einen ausführlichen Artikel gewidmet, nachzulesen unter https://grammis.ids-mannheim.de/rechtschreibung/6879
Triggerwarnung: Die Artikel und Erklärungen des IDS richten sich generell an Hardcore-Wörterklauber. Sprich: Ein gerüttelt Maß an linguistischem Fachwissen ist erforderlich, um bei den Beiträgen des IDS inhaltlich mitzukommen.

ÖWB statt Rezeptsammlung

Auf die Frage nach den Krautfleckerln oder Krautfleckerl kommen bei Google nur Rezepte raus. Daher bemühe ich das Österreichische Wörterbuch (ÖWB) und blättere auf Seite 215 (flämisch – Floristin). Und siehe da: Wir Österreicher nehmen es oft nicht so genau. Beides ist möglich: Fleckerl wie Fleckerln.

Die kostenlose Online-Variante des ÖWB macht einen eher spartanischen Eindruck und weckt den Verdacht, es wäre dem Österreichischen Bundesverlag gar nicht recht, sein Wissen frei und gratis teilen zu müssen. Man kann unter der Suchmaske zwischen „Stichwortsuche“ und „Im ganzen Wörterbuch suchen“ wählen. Ich würde auf jeden Fall Zweiteres empfehlen, weil auf diese Weise mehr Informationen bereitgestellt werden.

Der Duden als Werbeplattform mit Schlagseite

Für viele ist traditionsgemäß der Duden die erste Adresse, wenn es um Rechtschreibfragen geht. Leider ist duden.de in seiner Gratisvarianten mit Werbung zugemüllt und erinnert optisch eher an einen Ramschladen als an eine seriöse Auskunftsstelle.

Zudem hat der Duden sich mit der 2020 erschienenen 28. Ausgabe seines Rechtschreib-Wörterbuchs des wissenschaftlichen Credos entledigt, wonach seriöse Linguistik deskriptiv (beschreibend) zu sein habe, nicht präskriptiv (vorschreibend). Wer jetzt im Duden z. B. nach einem „Freund“ sucht, erfährt, dass es sich bei jeder der beschriebenen vier Bedeutungen um eine „männliche Person“ handelt. Ein Freund ist laut Duden entweder eine

  1. „männliche Person, die einer anderen Person in Freundschaft verbunden ist, ihr nahesteht“; oder eine
  2. „männliche Person, die mit einer anderen Person eine partnerschaftliche oder sexuelle Beziehung hat [und mit ihr zusammenlebt]“; oder eine
  3. „männliche Person, die etwas Bestimmtes besonders schätzt“; oder eine
  4. „vertrauliche Anrede an eine männliche Person (Wie geht’s, mein Freund?)“.

Die generische (allgemeine) Bedeutung des Freundes, die man früher gelten ließ, ist der Duden-Redaktion neuerdings fremd. Und auch übertragende Bedeutungen, etwa „mein vierbeiniger Freund“, sind in diesem überdefinierten Weltbild nicht vorgesehen und bekommen eine ziemlich seltsame Schlagseite. Sollte „der:die vierbeinige Freund:in“ die Lösung sein?

Der Machtmissbrauch der Dudin

Nicht nur meiner Meinung nach missbraucht die Duden-Redaktion mit der Leugnung generisch zu verstehender Kollektiv- und Berufsbezeichnungen den Einfluss, den das Wörterbuch während der 40 Jahre des sogenannten Duden-Monopols aufbauen konnte: Das ist jene Spanne zwischen 1955, wo man in den deutschsprachigen Staaten zu einer gemeinsamen reformierten Rechtschreibung finden wollte, und 1996, als das Ansinnen mit einem Reförmchen vollendet wurde, das mehr Verwirrung stiftete als Klärung brachte. (Wir erinnern uns mit Schrecken an diese „Rechtschreibreform“.)

Während all dieser Jahrzehnte hielt man es in deutschsprachigen Amtsstuben in Sachen Rechtschreibung so, dass zu gelten habe, was im Duden steht. Seit der Rechtschreibreform 1996 ist es mit diesem Monopol offiziell vorbei, und 2020 hat sich die Dudin, wie erwähnt, von grundlegenden linguistischen Prinzipien verabschiedet und der sprachpolitischen Beeinflussung des Volkes verschrieben. Da bin ich kein Freund davon.

Daher heißt der größte Helfer in der Rechtschreibnot für mich heute „Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache“, kurz: DWDS, (werbe-)frei zugänglich unter www.dwds.de.

Der ganze Grimm und noch viel mehr

Das DWDS-Portal ist der schlichte Wahnsinn. Es bietet rund 600.000 Einträge und deckt alle seit dem fernen Jahr 1600 je im Deutschen verwendeten Wörter ab. Es speist sich unter anderem aus dem Rechtschreib-Wörterbuch von Wahrig, dem DDR-Lexikon der deutschen Gegenwartssprache und nicht zuletzt aus dem unermesslichen Pool vom Grimms Wörterbuch.

Auf jeden Eintrag, den die Grimms und nach ihnen Hunderte von Linguisten zwischen 1850 und dem Projektabschluss 2006 erstellten, hat man im DWDS Zugriff. Aber nicht nur Wörter und Wortformen werden vom DWDS ausgespuckt, oft liefern die Einträge auch Angaben zur Worthäufigkeit aktuell und im Zeitverlauf seit 1847 sowie zur geografischen Verbreitung eines Begriffs, aber auch zu Synonymen.

Beim Eintrag „Freund“ erfahren wir zum Beispiel, dass das Wort recht häufig vorkommt und im gesamten deutschen Sprachraum verbreitet ist.

Das DWDS: Ein Freund in der Rechtschreibnot

Für das DWDS ist ein Freund eine:

  1. nahestehende (männliche) Person, mit der man bestimmte Neigungen, Interessen o. Ä. teilt und eine vertrauensvolle Beziehung hat (ohne mit ihr in einer Partnerschaft zu leben).
    • In der Unterbedeutung a) wird der „Freund“ übertragen verstanden als „nichtmenschliches Lebewesen oder etwas, das jmdm. (aus unterschiedlichen Gründen) persönlich wichtig ist“. Weiters ist er eine
  2. „(männliche) Person, der man in einem romantischen Verhältnis, einer sexuellen Beziehung verbunden ist“; oder eine
  3. „Person, die etwas besonders schätzt, mag, befürwortet“; z. B. „Sie ist kein Freund vieler Worte.“
  4. vor allem in der Politik und Dipolmatie: ein „Akteur, mit dem partnerschaftliche Verbindungen bestehen oder erwünscht sind, angestrebt werden“; und
  5. in Anreden gebräuchlich, z. B. „Wohin, mein Freund?“

Obwohl ich bei Punkt 1 noch die zwei Unterpunkte b) und c) weggelassen habe, bekommt man einen Eindruck davon, warum das DWDS den Duden ganz schön dürftig aussehen lässt. Und dabei habe ich noch gar nichts über die Herkunft des seit dem 8. Jahrhundert im Deutschen belegten Wortes und über die bedeutungsverwandten Ausdrücke geschrieben, über die das DWDS Auskunft gibt.

Uferlose Entdeckungsfahrten

Eine große Gefahr geht jedoch von Online-Wörterbüchern wie dem DWDS für mich aus: In diesem Meer an lexikalischem Wissen laufe ich Gefahr, das Ufer aus den Augen zu verlieren. Eine alte Form von „Ufer“ steckt übrigens im Städtenamen Hannover, Bedeutung: „hohes Ufer“. Das Wort ist vermutlich mit dem altgriechischen „ápeiros“ (Festland, Küste) verwandt. Steht alles im DWDS, diesem uferlosen Ozean für Wortverliebte …

Helferlein für Grammatikfragen: Wiktionary

Wie lautet der dritte Fall Plural für das Wort „Ziehharmonika“, wenn man ausdrücken will, dass man zwei oder mehreren dieser Instrumente gelauscht hat? Gerne hätte ich jetzt doch www.duden.de empfohlen, denn dort versteckt sich im dritten Feld rechts von der Suchmaske der Reiter „Grammatik“, der einem bei vielen Wörtern umfassende Deklinations- und Konjugationstabellen offenbart. Nur leider: Die Ziehharmonika ist grammatikalisch nicht erfasst. Stattdessen bekommt man – erraten! – Werbung offeriert.

Abhilfe schafft die deutsche Version des freien Wortlexikons Wiktionary, das einem in der Übersicht des Wortes gleich auch die Deklination anzeigt. Lösung: Ich habe den Ziehharmonikas bzw. den Ziehharmoniken gelauscht. Beides ist möglich.

Für die kniffligen Fälle: Duden-Bände 2 und 9

Manche Wendungen, die mir bei Lektoraten unterkommen, wirken unscheinbar, haben es aber in sich. Heißt es zum Beispiel „für Kinder bis zu drei Jahre“ oder „bis zu drei Jahren“? Die Antwort: Kommt auf die Präposition an! Das „zu“ verlangt den Dativ („bis zu drei Jahren“). Ohne „zu“ steht der Akkusativ („bis drei Jahre“), so will es die Grammatik.

Bei solchen Feinheiten versagt selbst Google gerne, und die KI flüchtet sich beinhart ins Halluzinieren und wirft von Anfrage zu Anfrage unterschiedliche Antworten aus, die zum Teil schlicht Blödsinn sind. Verlässliche Abhilfe schaffen die Duden-Bände 2 (Stilwörterbuch) und 9 (Sprachliche Zweifelsfälle). Ganz altmodisch in Buchform oder als E-Book/PDF. In Band 9 lese ich, dass „bis zu“ keineswegs immer als Präposition zu verstehen ist, sondern in manchen Fällen als adverbiale Fügung fungiert – und dann entscheidet das Verb über den Kasus. Zum Beispiel: „Der Vorstand kann bis zu acht Mitglieder umfassen.“ „Der Vorstand umfasst …“ braucht den Akkusativ und setzt sich damit gegenüber dem „bis zu“-Dativ bei den Mitgliedern durch. Ganz einfach, oder?

Linksammlung

Die wichtigsten Websites für Fragen der Rechtschreibung und Grammatik: