Heiland & Kürbis auf der Wies

Die Marktgemeinde Wies gibt den Besuchern manchmal Rätsel auf: Liegt sie noch im Westen oder schon im Süden der Steiermark? Trinkt man dort noch Schilcher oder schon Welschriesling? Fährt man besser mit den Postbus hin oder doch lieber mit der Bahn? – Zumindest die letzte Frage lässt sich leicht beantworten: Man fährt am besten mit der S-Bahn, die Wies seit Jahrzehnten treu ansteuert und im Volksmund als Roter Blitz bekannt ist. Die anderen Fragen sind schwerer zu entscheiden, denn die südweststeirische Gemeinde mit ihren 2300 Einwohnern liegt gewissermaßen im Schnittpunkt der Kulturen. Will heißen: Hier gibt’s den Schilcher genauso wie den Welschriesling, und insgesamt ist Wies weniger für seinen Wein bekannt als vielmehr für den Kürbis, und zwar in zweierlei Hinsicht. In Wies hat die „Landwirtschaftliche Versuchsstation für Spezialkulturen“ ihren Sitz, wo ein Schaufeld mit verschiedenen Kürbispflanzen bewundert werden kann – nebst exotischem Gemüse, Kräutern und Blumen. Und zum anderen lockt in Wies der Kulturverein Kürbis mit Theaterproduktionen, Konzerten, Ausstellungen und Lesungen ins „Theater im Kürbis“ oder – im Sommer – in die Tenne vom Schloss Burgstall.

Als Ort ist Wies ist relativ jung. Er entstand rund um die Wallfahrtskirche „Zum gegeißelten Heiland auf der Wies“, die 1774 bis 1782 auf Geheiß von Maria Anna von Herberstein erbaut wurde. „Ja, müssen’s denn den Bayern alles nachmachen?“, werden sich nun diejenigen fragen, die wissen, dass es im oberbayrischen Steingaden ebenfalls eine Wallfahrtskirche „Zum gegeißelten Heiland auf der Wies“ gibt. Tatsächlich wurde die steirische Wies-Kirche um eine Statue herum errichtet, die man extra aus Oberbayern kommen ließ. Tausende Wallfahrer folgten Jahr für Jahr. Zumindest bis 22. September 1850, dem sogenannten „Schwarzen Sonntag“. An diesem Tag fanden 200 Pilger ein Quartier am Dachboden des Bäckermeisters. Damit keiner ging, ohne zu zahlen, hatte der Hausknecht kurzerhand die Tür versperrt. In der Nacht brach ein Brand aus, aber Hausknecht und Schlüssel waren nirgends zu finden. Leute verbrannten, andere stürzten vom Dach, es gab Dutzende Tote und viele Verletzte. Nach diesem tragischen Ereignis dauerte es Jahre, bis sich wieder Pilger beim „Gegeißelten Heiland auf der Wies“ einstellten.

Im Inneren der sehenswerten Kirche sticht vor allem das 1956 angefertigte Kuppelfresko in Eibiswald lebenden Malers und Organisten Toni Hafner ins Auge. Nicht weniger als 140 Figuren hat der 1912 geborene Künstler auf dem Fresko abgebildet. Dominiert wird es vom Auferstandenen, der aus der Höhe grüßt, und von der Muttergottes. Toni Hafner versteht sein himmelwärts strebendes Werk als bildnerische Hommage an Anton Bruckners „Te Deum“.

Und weil wir gerade bei der Kunst sind: Auch der Maler Franz Weiss hat in Wies zahlreiche Spuren hinterlassen. Von ihm stammt beispielsweise das Fresko, das am Marktplatz die Hauptschule von Wies ziert.

Werner Schandor

Info: TOURISMUSBÜRO WIES, Tel. 0699 11902294, www.wies.at

Der Text ist in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift „Steirische Ölspur“ abgedruckt.