Heimische Hochschulen sind PR-Entwicklungsgebiet

Graz – „In Sachen PR besteht an heimischen Unis und Hochschulen Nachholbedarf“, resümierten Johanna Theurl und Werner Schandor am Ende ihres Vortrages „PR und Marketing am Hochschulsektor“ Mitte Jänner am Institut für Bildungsrecht und Bildungspolitik an der FH JOANNEUM Graz. „Die PR-Abteilungen in den tertiären Bildungseinrichtungen sind vielfach unterbesetzt und unterdotiert.“

Johanna Theurl, die Leiterin der Abteilung PR und Marketing der FH JOANNEUM, und Werner Schandor, der Chef der Grazer PR-Agentur „textbox“, skizzierten in ihrem Vortrag Herausforderungen und Lösungsansätze für Hochschul-PR unter geänderten bildungspolitischen Vorzeichen: Ausbildung und Forschung werden von Seiten der Politik als wesentliche Wettbewerbsfaktoren der Zukunft begriffen; zugleich gelten bei der Finanzierung von Universitäten und Hochschulen zunehmend (privat-)wirtschaftliche Kriterien, sprich: die Mittel der öffentlichen Hand schrumpfen; und schließlich sorgt ein immer breiteres Angebot am postsekundären Bildungssektor für einen verstärkten Wettbewerb unter den einzelnen Institutionen. Durch PR-Maßnahmen können die Anliegen der Hochschulen in der Öffentlichkeit vertreten werden, dennoch stehen Österreichs hohe Schulen in Sachen Öffentlichkeitsarbeit zum Teil erst am Anfang. „Oftmals müssen WissenschafterInnen erst von der Wichtigkeit von Öffentlichkeitsarbeit überzeugt werden“, zitieren Schandor und Theurl eine Antwort aus der Umfrage, die sie unter PR-Verantwortlichen von Unis und FHs durchführten, um ein Stimmungsbild zu erheben.

Geringe Personalressourcen, (zu) wenig Budget
Ergebnis dieser Umfrage, an der sich sieben Universitäten und drei FH-Anbieter beteiligten: Viele österreichische Hochschulen beschäftigen sich erst seit wenigen Jahren mit professioneller Kommunikation; nur wenige verfügen über personell ausreichend besetzte PR-Abteilungen: Der Schnitt liegt – unabhängig von der Größe der Hochschule – bei 4 bis 5 Mitarbeitern. Die Dienste von externen PR-Agenturen werden von den wenigsten Hochschul-Institutionen in Anspruch genommen – dies oft im Zeichen knappest bemessener PR-Budgets, die eine der befragten Universitäten mit lediglich 6.000,- EUR im Jahr bezifferte (das entspricht knapp 50 Sekunden Werbezeit auf Ö3 bzw. der Portokasse eines Kleinunternehmens).

Positive Ausnahmen
Die Uni Wien, die Uni Innsbruck und am FH-Sektor die steirische FH JOANNEUM gehören zu den wenigen Institutionen am tertiären Bildungssektor, die die Chancen professioneller Kommunikation bereits jetzt wahrnehmen. In ihrem Vortrag skizzierten Johanna Theurl und Werner Schandor am Beispiel der FH JOANNEUM den Wandel der unsystematischen Hochschul-PR hin zu einer integrierten, am Dialog orientierten Kommunikation. Konkret stehen beim steirischen FH-Anbieter der Ausbau des Internets zur internen und externen Kommunikationsplattform, die Abwicklung partnerschaftlicher Projekte mit Schulen sowie Fundraising ganz oben auf der Aufgabenliste. „Patentrezepte für gute Hochschul-PR gibt es keine“, so die Vortragenden in ihrem Schlusswort. „Im Wesentlichen geht es um eine gute Planung, solide Budgetierung und konsequente Umsetzung der PR-Konzepte. Das klingt einfacher, als es sich in der Praxis umsetzt.“

Aufsatz zum Thema
Ein Aufsatz zum Thema „PR und Marketing im Hochschulbereich“ von Johanna Theurl und Werner Schandor wird Ende Jänner auf der Homepage des Instituts für Bildungsrecht und Bildungspolitik unter der Adresse www.ibb.or.at publiziert.

Weitere Informationen
* Mag. Werner Schandor, textbox, Tel. 0676 4411871, E-Mail: abc@textbox.at
* Dr. Johanna Theurl, FH JOANNEUM, Tel. 0316 5453-8816, E-Mail: johanna.theurl@fh-joanneum.at


Hochschul-PR steckt in Österreich oft noch in den Kinderschuhen. Werner Schandor (links) und Johanna Theurl (Mitte) referierten auf Einladung von Werner Hauser (rechts), dem Leiter des Instituts für Bildungsrecht und Bildungspolitik an der FH JOANNEUM zum Thema „PR und Marketing im Hochschulbereich“. Foto: Harald Reichmann für die FH JOANNEUM