Hördorf Kroisbach

Pünktlich um 7 in der Früh rumpelt zwei Grundstücke weiter der große Bagger los und gräbt ein riesiges Loch in die grüne Wiese. Das Grollen und Pumpern, immer wenn eine Schaufel voll Aushubmaterial auf die Ladefläche des Kipplasters plumpst, wird von einem Dröhnen, Sirren und Schleifen von der anderen Straßenseite begleitet, denn während man weiter oben etwas Neues baut, wird gegenüber von uns ein Haus saniert.

Es heißt, das Leben sei eine Baustelle, aber in Graz-Kroisbach muss man eher sagen: Es ist mindestens zwei Baustellen. Nur so ist gewährleistet, dass der Lärm nie versiegt, wenn eine Baupartie mal Pause macht. Als wir vor drei Jahren hierher gezogen sind, hielten wir die Nachbarschaft für voll ausgebaut. Zumindest hat die Maklerin damals darauf hingewiesen, dass mit Baulärm kaum mehr zu rechnen sei, weil schon alles verbaut sei. Was für ein Irrtum! Schon bevor wir uns hier niederließen, war – so berichten es unsere Nachbarn – in der nächsten Umgebung von früh bis spät errichtet, saniert und repariert worden, 5 Tage die Woche, manchmal auch 7, wenn sich die Bauherren für steuerschonende Errichtungsverfahren entschieden hatten. Sie wissen, was ich meine.

Beim Kunstfestival Regionale, das noch bis 22. Juli in Murau und Umgebung zu erleben ist, gibt es ein Programmpunkt, das sich den akustischen Eindrücken der Umgebung widmet: Im Rahmen der „Hörstadt Murau“ kann man 13 Murauer „Hörenswürdigkeiten“ besuchen und sich insgesamt für die Einflüsse sensibilisieren lassen, die Klänge und Lärm auf unser Leben haben. Das Team der Hörstadt hätte auch in Graz-Kroisbach ein reiches Betätigungsfeld. Denn kaum legt sich hier der Baulärm am Freitagnachmittag, gehen auch schon die Rasenmäherkonzerte los, meistens reihum als Zweitaktmotoren-Rondos angelegt, wo ich freilich meine Strophen mitspiele.

Kaum hört das Gemähe auf, schlagen ringsum die Hunde an, die die Ruhe nicht gewohnt sind und nervös zu bellen beginnen, wenn es mal einen Augenblick still ist. Ich kann es ihnen nicht verdenken, ich möchte nach so einer Krawallwoche manchmal auch am liebsten losbellen.

Ansonsten das Übliche: Ö3 für alle von nebenan und weiter unten im Mariatroster Tal die Daueramplitude von 17.000 Autos, Motorrädern und Mopeds, die sich täglich über die Mariatroster Straße wälzen, darunter gefühlte 5.000 Baulaster. Für jeden Heustadl an einer Autobahn wäre unter diesen Umständen schon eine Lärmschutzwand aufgestellt worden. Aber in der Stadt ist dafür kein Platz. Am Wochenende unterhält uns der Rettungshubschrauber, der das LKH anfliegt, und von der Ferne ist das Quietschen und Schleifen der Straßenbahn der Linie 1 zu vernehmen, die sich auf ihrer Trasse neben dem Mariatrosterbach durch die Kurven zwängt. Lärm ist in diesem grünen Bezirk quasi immer und überall, aber so richtig merkt man das erst, wenn man mal ein Wochenende am Land verbringt, wo es wohltuend leise sein kann. Zum Beispiel in der Hörstadt Murau bei der „Regionale“. Hören Sie sich das an!

WordPress Cookie Hinweis von Real Cookie Banner