Ihr Bilderlein kommet

An den Feiertagen wird so viel fotografiert wie selten im Jahr, und zunehmend sind Digitalkameras für das Blitzlichtgewitter unterm Christbaum verantwortlich. So weit, so gut. Heikel wird es erst, wenn man seine Bilder ausarbeiten lassen möchte, hat Werner Schandor herausgefunden.

Statistiker errechneten, dass in Österreich pro Jahr mit 850.000 Digitalkameras rund 300 Millionen Bilder geschossen werden. Heuer zu Weihnachten kommen sicherlich noch ein paar Tausend Kameras und ein paar Millionen Bilder dazu. Doch wenn die Lieben brav in die Kamera gelächelt haben und der Auslöser zig mal durchgedrückt wurde, dann fängt für Digitalfotografen die Arbeit erst an: Die Bilder müssen auf den Computer geladen, archiviert und eventuell nachbearbeitet werden. Und falls man vom einen oder anderen Motiv Fotos auf Papier haben will, dann stellt sich die Frage, wie man am besten dazu kommt. Soll man die Bilder zeitaufwändig selbst mit dem Tintenstrahl-Fotodrucker ausdrucken? Oder entscheidet man sich doch für eine Ausarbeitung aus dem Geschäft? Und wenn ja, wo kann man seine Bilder abgeben, damit die Farben auf dem Papier so gut aussehen wie auf dem Computermonitor daheim? – Wir haben weder Kosten noch Mühen gescheut, um Antworten auf diese Fragen zu finden.

Die Kriterien
Unsere Testbildauswahl umfasste acht Motive, wie sie für Otto Normalknipser typisch sind: Vier farbenfrohe Außenaufnahmen bei Sonnenschein und vier Innenaufnahmen von einer Familienfeier, wo das Blitzlicht im Dauereinsatz war, um Bedingungen wie unterm Weihnachtsbaum zu simulieren. Die Bilddaten aus der digitalen Spiegelreflexkamera haben wir minimal nachbearbeitet, auf CD gebrannt und in je zwei Tranchen in zwölf Geschäften abgegeben. Die Ergebnisse im Format 10×15 wurden von einem Profifotografen und einer Amateurfotografin sowie von 13 Fotolehrlingen im zweiten Ausbildungsjahr unter idealen Lichtbedingungen ins Visier genommen. Bewertet wurde von der Jury ausschließlich die Bildqualität, d.h. Helligkeit, Farbwiedergabe, Schärfe und Kontrast sowie der Gesamteindruck. Die Beurteilung erfolgte nach dem Schulnotensystem. Die Juroren wussten nicht, welche Bilder aus welchem Geschäft stammten. Und siehe: Die Ergebnisse überraschten alle Beteiligten.

Die Ergebnisse

Das Massenbild
Was haben BIPA, dm, Saturn, Schlecker und Zielpunkt und einige andere Handelsketten gemeinsam? – Sie vertrauen die Bilder ihrer Kunden dem größten europäischen Fotofinisher an, der CEWE Color AG mit Sitz in Oldenburg. CEWE Color entwickelt 2,7 Milliarden Fotos pro Jahr – das sind rund 90 Bilder pro Sekunde! Bei diesen Massen darf man sich keine individuelle Bildverarbeitung erwarten. Unsere bei BIPA, Schlecker, Saturn und Zielpunkt abgegebenen Testserien unterscheiden sich demnach nur minimal in der Farbsättigung, was sich auf den Zustand des Entwicklungsbades in den Fotoprintern zurückführen lässt. Insgesamt zeichnen sich die leicht dunkel geratenen Bilder durch exzellente Schärfe und gute Farbwiedergabe bei den Außenaufnahmen aus. Bei den Innenaufnahmen zeigt sich jedoch des Pudels Kern: Weiße Flächen weisen einen soßigen Braunstich auf, und das gebräunte Gesicht von Oma schaut ledrig aus – fast wie das von Ötzi, und das ist eine Assoziation, die unterm Christbaum keiner haben will.
Fazit Bildqualität: Die Noten für die vier CEWE Color-Testserien variieren von 2 bis 4, wobei die 3er überwiegen. OK.
Preise: Am billigsten gibt es momentan dm mit 12 Cent pro 10×15-Foto, gefolgt von es Schlecker und Saturn (15 Cent), Zielpunkt (19 Cent) und BIPA (25 Cent). Dazu kommt noch eine Bildbearbeitungspauschale, die sich zwischen 69 Cent (Schlecker) und 1,95 Euro (dm) pro Auftrag bewegt.
Schnelligkeit: Die Fotos sind in der Regel in 3 Werktagen abholbereit.

Das rot-weiß-rote Massenbild
Color Drack ist das abgespeckte österreichische Pendant zu CEWE Color. Spar, ADEG, Cosmos, Hartlauer und viele heimische Fotofachhändler vertrauen ihre Bilder dem Großlabor im salzburgischen Schwarzach an. Wir gaben unser Testsampel bei Foto Ehmann in Graz auf. Die Ergebnisse bestechen durch gute Kontrastwerte, gute Helligkeit und sehr gute Schärfe. Die Außenaufnahmen zeigen einen leichten Gelbstich, der bei den Innenaufnahmen jedoch nicht stört.
Fazit Bildqualität: Die Jury vergibt Noten zwischen 2 und 3-. Nicht schlecht.
Preise: Ein 10×15-Bild kostet zwischen 25 Cent (Spar) und 39 Cent (Hartlauer und Foto Ehmann). Die Bearbeitungsgebühr beträgt zwischen 1,38 Euro (Foto Ehmann) und 1,95 Euro (Spar).
Schnelligkeit: Die Fotos sind in 2 bis 3 Werktagen abholbereit.

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Kodak Photo Perfect
Achten Sie auf die Marke! Aber glauben Sie nur nicht, dass immer drin ist, was drauf steht. Die „perfekten“ Kodak-Fotos, die z.B. Spar und dm optional anbieten, werden nämlich nicht mehr von Kodak produziert, sondern in Lizenz ebenfalls von Color Drack. Unterschiede zu herkömmlichen Color Drack-Bildern sind dennoch zu erkennen. „Von den Farben her bin ich hier daheim“, sagt der Profifotograf zu den Testbildern und lobt die Helligkeit und die natürliche Weißwiedergabe. Bei den Außenaufnahmen wird wieder ein leichter Gelbstich bemerkt, alles in allem schmeichelt die „Kodak“-Ausarbeitung den Augen der Tester jedoch am meisten.
Fazit Bildqualität: Die Urteile reichen von 2+ bis 3-. Die besten Noten bisher.
Preise: Das Kodak-Bild kostet 30 Cent pro Abzug. dm hebt eine Bearbeitungsgebühr von 2,99 Euro pro Auftrag ein, manche Spar-Filialen verlangen dafür 1,95 Euro.
Schnelligkeit: Sehr gut. Die Testbilder brauchen nur einen Werktag. Verwirrend ist allerdings die Bilder-Abgabe, weil die Kodak-Sofortbild-Stationen suggerieren, man könne seine Bilddaten von dort online ins Labor schicken. Das ist nicht der Fall! Man muss seine eigene CD mitbringen, um sie ins Labor schicken zu können.

Niedermeyer
Der Fotohändler hat sich im Sommer 2005 von Color Drack getrennt und lässt seine Bilder nunmehr in Slowenien ausarbeiten. Ein Schritt, den sich die Verantwortlichen vielleicht nochmals überlegen sollten, denn in den Augen der Tester schnitten die Niedermeyer-Fotos gar nicht gut ab! Bei den Außenaufnahmen fallen die Kontraste zu hart aus, wodurch helle Stellen weiß ausreißen und die Detailzeichnung in dunkleren Bereichen verloren geht. Die Farben bei den Innenaufnahmen tendieren ins Orange, und als würde das nicht reichen, sind die Bilder auch noch die am wenigsten scharfen des Testfeldes.
Fazit Bildqualität: Ein 3- vom Profi, die anderen bewerten mit 4 und 5. Oje.
Preise: Der Abzug 10×15 kostet 36 Cent in der „Classic“-Ausarbeitung, die für die Testbilder gewählt wurde; 50 Cent kostet ein Bild der „Premium“-Ausarbeitung. Bei den Testbildern wurde keine Bearbeitungsgebühr verrechnet.
Schnelligkeit: Die Bilder sind in 2 bis 3 Tagen abholbereit.

Hartlauer
Wenn der Fotolöwe seine Bilder nicht zu Color Drack schickt, dann nennt er die Fotausarbeitung „Löwenbild“ und macht sie mit dem Minilab direkt in der Filiale. Die individuelle Behandlung des Bildes fällt allerdings nicht immer zu dessen Vorteil aus. Bei den Testbildern wurde der Wiese im Landschaftsfoto ein fast schon surrealistisches Grün verpasst, während dem Abendlicht der Hafenaufnahme mit harter Kontrastsetzung und überhöhtem Gelbanteil „die Stimmung rausgefiltert“ wurde, wie der Profi kritisiert. Gnädiger werden die Innenaufnahmen bewertet. Hier macht sich ein leichter Rotstich bemerkbar, der Oma rote Bäckchen aufs Gesicht zaubert, und das wird gerne gesehen.
Fazit Bildqualität: Die Geister scheiden sich. Die Amateurin vergibt einen 2er, der Profi einen 3er, die Lehrlinge einen 4er – macht im Schnitt 3. OK.
Preise: Das 10×15-Bild kostet zwischen 39 und 49 Cent, je nachdem, ob man es noch am selben Tag abholen will oder ein bis zwei Tage warten kann. Die Bearbeitungsgebühr beträgt 1,46 Euro.
Schnelligkeit: Definiert sich über den Preis.

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Bildermacher
Mit bereits 19 Filialen ist der „Bildermacher“ in Wien stark vertreten. Die von ihm ausbelichteten Testbilder gerieten durchwegs gut, allein bei der Abendstimmung am Hafen fällt die Farbsättigung etwas zu mager aus, das Bild wirkt dadurch flau. Die Hauttönung wird sowohl bei den Außen- als auch bei den Innenaufnahmen recht natürlich wiedergegeben. Die Belichtung der Bilder ist insgesamt ausgewogen und unauffällig, der Kontrast könnte eine Spur härter sein.
Fazit Bildqualität: Den Lehrlingen sind die Bilder zu flau, sie urteilen mit 4; der Profi und die Amateurin vergeben jeweils einen 2er, ergibt im Schnitt 2 bis 3 und einen Stockerlplatz gemeinsam mit Kodak und Color Drack.
Preise: Ein 10×15-Bild kostet 29 Cent, die Bearbeitungsgebühr beträgt 1,49 Euro.
Schnelligkeit: Ausgezeichnet. In manchen Filialen kann man seine Bilder schon nach 1 Stunde abholen.

Billa
Die Lebensmittelkette geht eigene Wege, was die Fotoausarbeitung betrifft, und lässt ihre Bilder im Münchner Großlabor von Fujfilm entwickeln. Die Logistik muss allerdings noch verbessert werden, denn als einziger Händler hat Billa es nicht geschafft, die Bilder innerhalb von 14 Tagen zu liefern. Die 4 Fotos (Außenaufnahmen), die rechtzeitig zur Bewertung einlangten, fielen dann bei den Fotolehrlingen glatt durch: Sie gaben den Bildern einstimmig ein Nicht genügend – den zu harten Kontrasten und der Magenta-Färbung im Gesicht des Porträtmodells sei’s geklagt. Schärfe und Helligkeit wurden von den anderen Juroren positiv vermerkt.
Fazit Bildqualität: 13 steirische Fotolehrlinge sagen „Nein, danke!“, zwei weitere Juroren urteilen „Na ja“, das macht in Schulnoten einen 4er mit Bauchweh.
Preise: Der Abzug 10×15 kostet 25 Cent, die Bearbeitungsgebühr beträgt 1,99 Euro.
Schnelligkeit: Schlecht. Die Bilder brauchen im Idealfall eine Woche.

Das Profifotolabor
Nehmen wir an, der Preis würde keine Rolle spielen, allein auf die Qualität käme es an. Dann, ja dann gibt man seine Daten am besten zum Fotohändler seines Vertrauens, um einen Satz erstklassiger Referenzbilder aus dem Fachlabor zu erhalten. Soweit die Theorie. Die Praxis kann ganz anders aussehen, wie wir erfahren mussten. Der Fotohändler unseres Vertrauens heißt ClassicCamera in Graz und ist bei engagierten Amateuren ob der guten Beratung sehr beliebt. Die teure Profi-Fotoausarbeitung des Ladens wird von unseren Juroren dann allerdings als „echtes Negativhighlight“ gesehen. Die Bilder sind die dunkelsten im Testfeld, die Farbgebung ist stark magenta-lastig, den beiden kontrastreichsten Testbildern wurde mit plumper Unterbelichtung begegnet; dass auch die Schärfe nicht immer optimal ist, fällt schon nicht mehr ins Gewicht, ebenso wenig die ätzenden Spuren von Fotochemikalien auf zweien der Bilder. „Am ärgsten daneben“, urteilt der Profi; „so schlecht, dass ich gar nichts dazu sagen kann“, meint ein steirischer Fotolehrling.
Fazit Bildqualität: Nicht genügend – und Vertrauensentzug für ClassicCamera.
Preise: Der Abzug 10×15 kostet 69 Cent, die Bearbeitungsgebühr beträgt 1,99 Euro. Der Witz an der Sache: Die Bilder gleichen haarscharf jenen des Schnelllabors um die Ecke, das um den halben Preis und ohne Bearbeitungsgebühr entwickelt.
Schnelligkeit: Ist bei dieser Bildqualität kein Kriterium.

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Resümee
Die beste Kamera ist für die Katz’, wenn die Bilder im Labor verhunzt werden. Restlos überzeugt hat keine der getesteten Ausarbeitungen. Insbesondere die Farbwiedergabe ist bei ausbelichteten Digitalbildern zum Glücksspiel geworden. Schätzen Sie sich also glücklich, wenn Sie bereits ein Labor gefunden haben, das Ihren Vorstellungen von guten Bildern entsprechend arbeitet!

Herzlichen Dank an Fotograf Robert Frankl, an Fachlehrer Dietmar Riegler und die 2. Klasse Fotografie der LB 7 in Graz sowie an Almut Schandor.

Der Artikel erschien am 17.12.2005 im Standard