Im Anfang war das Logo

Stellen Sie sich vor: Ein Unternehmen mit 3.800 MitarbeiterInnen, die in 76 inhaltlich autonomen Instituten und 7 übergeordneten organisatorischen Einheiten tätig sind. Rund 100 angebotene Dienstleistungseinheiten, genannt Studien, über 30.000 „KundInnen“, genannt Studierende, und 1 Grafik-Büro mit 3 Beschäftigten, das den Gestaltungswünschen dieses Apparates nachkommt – willkommen an der Karl-Franzens-Universität Graz!

Seit über zehn Jahren zeichnet Roman Klug für das Kommunikationsdesign der Uni Graz hauptverantwortlich. Die Ausstellung „UNI GRAZ = gestaltet! Grafikdesign an der Karl-Franzens-Universität Graz“ im neuen Universitätsmuseum erlaubt Einblicke in einen Geisteskosmos: Bei den Foldern, Plakaten, CD-Covers und Büchern, die im Souterrain des Hauptgebäudes zu sehen sind, geht es, um nur einige Beispiele aufzuzählen, um mittelalterliche Lyrik, um Grenzsituationen der conditio humana oder um phänomenologische Zugänge zur psychiatrischen und klinischen Neurowissenschaft. In diesem Sinn spiegelt die Grafikdesign-Ausstellung das breite Themenspektrum der 1585 gegründeten Alma Mater wider: Es reicht von Theologie bis Recht, von den Natur- bis zu den Geistenswissenschaften, von den Sozial- bis zu den Umweltwissenschaften und überspannt alle Bereiche dazwischen. Doch nicht nur die Themen sind vielfältig, auch die Informationsmittel, die gestaltet werden wollen, haben ihre je eigenen Gestaltungsanforderungen. Neben den genannten Foldern und Publikationen gehören Messestände dazu oder Logos für weiterführende Uni-Aktivitäten, wie die hochschulübergreifende KinderUniGraz, den Medienlehrgang, die Montagsakademie oder die „die 7. fakultät“ – das Zentrum für Gesellschaft, Wissen und Kommunikation an der Uni Graz. „Da staunen oft die Druckerein und GrafikerkollegInnen von Agenturen, wenn sie hören, dass wir in unserem Büro zu dritt bis zu 200 Produktionen im Jahr bewältigen“, erzählt Roman Klug.

Kreativität und Kunst
Ein reibungslos funktionierendes Prozessmanagement ist Voraussetzung, um einen Output in dieser Frequenz erzielen zu können. Wie aber kommt man bei dieser hohen Taktung überhaupt noch auf Ideen? – „Kreativität kann man nicht auf Knopfdruck während der Arbeitszeit erzwingen. Vieles fließt von meiner künsterischen Tätigkeit in die Designs ein und von den Dingen, die ich allgemein so wahrnehme“, erzählt Klug, der bereits als Rockmusiker, Comiczeichner, Fotomodel, Grafikkünstler und nicht zuletzt als Gründer und ehemaliger Chefkoch der kulinarisch-künstlerischen Interventionstruppe „Cooks of Grind“ reüssierte. Diese Breite an künstlerischen Interessen befruchtet Klugs Arbeiten als Grafikdesigner.

„Roman Klug versteht es ausgezeichnet, den mentalen, ideologischen und gesellschaftlichen Gehalt von Projekten zu erfassen und beispielsweise in einem Plakat zum Ausdruck zu bringen“, beschreibt Johann Konrad Eberlein, Professor am Institut für Kunstgeschichte, die hohe künstlerische Qualität von Klugs Œuvre. Eberlein war es auch, der den Anstoß für die Ausstellung „UNI GRAZ = gestaltet!“ lieferte. Der Kunsthistoriker attestiert dem Grafikdesign als Kreativsparte generell hohes Innovationspotenzial. „Wenn Kunst gesellschaftlich unterdrückt oder behindert wird, übernimmt oft Grafikdesign die führende Rolle“, sagt Eberlein. Und verweist gleichzeitig darauf, dass es nicht möglich ist, eine klare Trennlinie zwischen Kunst und Gebrauchsgrafik zu ziehen: „Wenn Sie nur an Warhol denken oder an aktuelle Medienkunst, dann wird deutlich, dass die beiden Bereiche nicht zu trennen sind.“

Melancholie der Wissenschaft
Roman Klugs grafische Arbeiten wecken bei den akademischen Auftraggebern immer wieder auch kunstgeschichtliche Assoziationen, etwa sein Buchcover für die Reihe „Grazer Arbeiten der Sprachdidaktik“, wo er aus vielen kleinen, färbigen Sprechblasen ein Rasterbild einer größeren Sprechblase kreierte. Der Herausgeber der Reihe reagierte auf den Entwurf begeistert: „Die Farbe der ersten Sprechblasen symbolisiert die seit Dürer mit violett-braun assoziierte Melancholie der Wissenschaft, und die sich wiederholenden bunten Sprechblasen zeigen, dass es immer wieder feste Plätze in der Wissenschaft gibt, an die man sich halten kann.“

Das, woran sich Roman Klug bei der Gestaltung seiner Kommunikationsunterlagen halten kann, sein visueller Anker, ist das Logo der Universität Graz. Es wurde Mitte der 1990er-Jahre vom Grazer Grafikdesigner Peter Schaberl entworfen und war ein Meilenstein auf dem Weg, dem pluralistischen Gebilde der Universität so etwas wie eine Corporate Identity zu verpassen. „Wie kann eine, vom Selbstverständnis her, plurale Forschungs- und Bildungsinstitution einem Corporate Design folgen und doch die unterschiedlichsten Bereiche und deren Inhalte visuell kommunizieren?“ – Diese Frage ist seit über zehn Jahren Ausgangspunkt für Klugs tägliche Arbeit. Dass er dabei Designlinien entwickeln und weiterverfolgen kann, ohne den Modeneuheiten der Branche nachhecheln zu müssen, schätzt er an seinem Job. „Ich versuche, einen spielerischen Umgang mit Tiefe zu pflegen“, sagt Roman Klug: „Grafische Gestaltung ist für mich keine Behübschung von Oberflächen, sondern soll Informationen ausdrücken – und vielleicht auch hinter die Dinge schauen.“

Werner Schandor

UNI GRAZ = gestaltet! – Grafikdesign an der Karl-Franzens-Universität Graz
UniGraz@Museum, Universitätsplatz 3 (Hauptgebäude), 8010 Graz, Eingang im Innenhof
Ausstellungsdauer: Fr. 27. April bis Fr. 25. Mai 2012

Der Text erschien in der Printausgabe des Design-Monat-Magazins der Creative Industries Styria