Klartext an der Mur

Hallo, Ihr Idioten! Wer zu blöd ist, eine Satire zu verstehen, sollte gleich jetzt zum Lesen aufhören. Ich sag das nur, weil ab sofort Klartext geredet wird an der Mur. Zum Beispiel mit den Typen, die nur Mist in der Birne haben und regelmäßig die Papierkörbe umschmeißen im Stadtpark und beim Uhrturm oben die Blumenbeete zertreten. Endlich wird den jungen Hirnamputierten, die mit 2,1 Promille Intelligenz und 100 % Dummheit die Parkbänke ausgraben und in jede Ecke kotzen, die Meinung gegeigt, wie es sich gehört. „Was hat Euch Trottel so kaputt gemacht?“, fragt eins der Plakate, die der Nagl Sigi mitten im Sommer an jeder Ecke der Stadt hat aufhängen lassen. Manche meinen ja, der Jargon wär ein bissl daneben vom Nagl Sigi, rein pädagogisch oder so, man sollte lieber die Streetworker verstärken. Aber ich sag Euch was über die ganzen obergscheiten linkslinken Gutmenschen: Ihre Dummheit kotzt uns an! Diese Idioten sollten sich verpissen! Was haben die denn bisher zusammengebracht? – 100 % gar nix! Die Bettler sind wir Grazer durch hartes gesetzliches Durchgreifen Gott sei Dank losgeworden. Aber die asozialen Nichtsnutze besetzen nach wie vor die besten Plätze der Stadt, sodass sich kein anständiger Bürger mehr in den Hauptplatz-Billa traut. Und sein anständiges Achterl Welschriesling nicht im Stadtparkpavillon zu sich nehmen kann. Fehlt noch, dass die Welscher Stub’n vom Lumpengesindel heimgesucht wird. Soll lieber was Arbeiten gehen, das ganze Gesindel, was da schnorrert in der Stadt rumhängt! Giftler, Sandler, Lobbyisten!

Ich find’s gut, was der Nagl Sigi macht: offene Worte. „Wir alle zahlen dafür, also dürfen wir auch eine Meinung dazu haben. Und die Dinge beim Namen nennen“, heißt es auf der Homepage. Super! Endlich braucht man sich kein Blatt mehr vor den Mund nehmen. Das wäre auch ein guter Spruch für den Nagl Sigi: „Euch Gfraster brauch ma net in unserer sauberen Stadt!“ Und die Touristen sollen nicht so deppert schauen! – Ja, auch das gehört einmal gesagt. Die rennen mit ihren umgehängten Fotoapparaten durch die Innenstadt, als hätten’s noch nie im Leben alte Häuser gesehen. Sollen lieber daheimbleiben als bei uns die Schanigärten zu verstopfen!

Also, ich find’ dem Nagl Sigi seine neue Kampagne ur super. Vor allem die Sprüche. Aber eins würde mich schon interessieren: Nämlich welche Mist-Birnler dem Nagl Sigi eingeredet haben, dass man die Plakatwände mitten im August zupflastern soll, wenn an allen Grazer Ortstafeln das Schild „Ausgestorben – Sind auf Urlaub“ hängt. Die ganzen rotzerten Früchterln, an die sich die Plakate richten, sind entweder auf Interrail oder dröhnen sich bei einem der Sommerrockfestivals weit weg von Graz die Birne zu. Und so schaut die ganze Plakataktion ein bisserl aus wie 100 % beim Fenster außigwichstes Geld, gell? (Ich darf das sagen, weil ich zahl ja auch dafür.)

Wer Wind sät, wird Sturm ernten. Der Text ist eine polemische Replik auf die Kampagne „Vandalismus ist nicht nett“ der Stadt Graz.
Anmerkungen:
a) Kursive Passagen wurden wörtlich von der Kampagne www.vandalismus-ist-nicht.net übernommen
b) Nagl Sigi: Siegfried Nagl, Bürgermeister der Stadt Graz und damit auch politischer Vertreter all jener, die „Mist in der Birne“ haben. Quod erat demonstrandum.
c) Der Artikel ist im August 2011 in der Grazer Stadtzeitung „G7“ erschienen, einer Beilage der „Kleinen Zeitung“