„Entrepreneurial Spirit ist lernbar“

„Entrepreneurial Spirit ist lernbar“ lautet das Motto einer Tagung, die am 7. Mai 2009 in Graz stattfindet. Bester Soßenquatsch, den nicht einmal ein bilingual geschulter Österreicher wie Arnold Schwarzenegger im ersten Anlauf korrekt über die Lippen bringen kann. Denglisch geht einfach nicht immer so easy von der Zunge, wie viele meinen. Und über den baren Nonsens der inflationären Verwendung der Nachsilbe -bar durch Silbenbarbaren hat sich bereits Sprachironiker Bastian Sick hinreichbar geäußert. Zeit also, sich etwas mit dem Inhalt dieses Mottos zu beschäftigen.

Die deutsche Entsprechung von „Entrepreneurial Spirit“ würde vermutlich „Unternehmergeist“ oder „Gründergeist“ lauten. Hat auch noch 3-5 Silben, aber immerhin 5-3 weniger als der achtsilbige denglische Zungenverknoter. Rein von der ökonomischen Seite ist es also die pure Verschwendung von Atemluft, „Entrepreneurial Spirit“ über die Lippen bringen zu wollen. Und überhaupt, was soll das heißen: Spirit ist lernbar? – Geist lässt sich lernen? Liegt es nicht im Wesen des Geistes, dass er geistert, wo er will, allen Verfechtern des lebenslang Lernbaren zum Trotz? Und wie will man den Geist lernbar gestalten, wenn man sich selbst ein geistloses Motto verpasst? – Hier geht’s also obviously um einen anderen Spirit, nämlich um Unternehmensspiritualität, also darum, sich einzuschwören auf Leadership, Commitment und Success – um drei weitere schöne Ausdrücke aus dem Management-Talk zu bemühen. Arbeiten hier tatsächlich noch welche am Umbau der Gesellschaft auf reinen Selbstversorgerbetrieb bei Wahrung aller Abgabepflichten?

In Zeiten wie diesen, wo das Wort „Krise“ seit Monaten zum Stammvokabular jedes Business-Talks gehört, ist es zumindest ein Zeichen des Anachronismus, unbeleckt von den aktuellen wirtschaftlichen Entwicklungen ein neoliberalistisches Spiritistentreffen abzuhalten, mit Unternehmensgeisterbeschwörung, Flipchartrücken und allem Pipapo. Soll jedem unbenommen bleiben. Aber dass man ein bisschen über diese Veranstaltung lacht, die vom Verein für „Entrepreneurship Education für schulische Innovation“ ausgetragen und ausgerechnet vom österreichischen Bildungsministerium gefördert wird, kann nicht schaden.