Österreich und seine Unternehmen

Graz (FH Joanneum, Uni Graz) – Wie gut sind die Rahmenbedingungen für Unternehmensgründungen in Österreich? Welches Rollenbild haben UnternehmerInnen in Österreich? Sind die Österreicher überhaupt ein Volk von UnternehmerInnen?

Der GEM-Report („Bericht 2005 zur Lage des österreichischen Unternehmertums“) gibt darüber Aufschluss. Im Rahmen des Global Entrepreneurship Monitors (GEM), einer international vergleichenden Studie, die jährlich in 35 Ländern auf der ganzen Welt durchgeführt wird, wurden erstmals die Bedingungen für unternehmerischen Aktivitäten in Österreich wissenschaftlich erfasst. Die vorliegenden Ergebnisse beruhen auf einer repräsentativen Befragung unter der erwachsenen Bevölkerung Österreichs (Sample: 2.200 Personen im Alter von 18 bis 64 Jahren) sowie auf Gesprächen mit bzw. Befragungen von 36 ExpertInnen und UnternehmerInnen. GEM ist eine internationale Initiative, die von der London Business School und dem Babson College (Boston) koordiniert wird. Verfasst wurde der österreichische GEM-Report von Prof. Ursula SCHNEIDER (Karl-Franzens-Universität Graz) und Dr. Martin SAMMER (FH JOANNEUM Graz) unter Mitarbeit von Mag. Christina SCHWEIGER und Prof. Sören SALOMO.

Die Ergebnisse
Im Jahr 2005 waren in Österreich hochgerechnet 278.000 Personen in Gründungsaktivitäten involviert, das sind 5,3 % der erwachsenen Bevölkerung. Davon standen mehr als die Hälfte am Beginn einer unternehmerischen Aktivität (GründerInnen), 2,4 % hatten bereits ein Unternehmen gegründet (JungunternehmerInnen) und 3,8 % der erwachsenen Bevölkerung waren bereits etablierte UnternehmerInnen. Das konsolidierte Ausmaß unternehmerischer Aktivität lag im Jahr 2005 in Österreich bei 8,8 %. (Die Abweichungen der Summen von den kumulierten Einzelpositionen ergeben sich aus dem Umstand, dass ein geringer Anteil an Personen in mehrere unternehmerische Aktivitäten involviert ist.) Damit liegt Österreich bei den Gründungsaktivitäten im internationalen Vergleich im Mittelfeld; beim Anteil an etablierten Unternehmen im Schlussfeld.

Eckpunkte des Unternehmertums in Österreich
Die befragten ExpertInnen und UnternehmerInnen bewerteten folgende fünf Rahmenbedingungen als besonders wichtig für das Unternehmertum in Österreich:

  • Die Unterstützung von Unternehmen durch spezifische Förderprogramme erweist sich auch im internationalen Vergleich als österreichische Stärke.
  • Die derzeitigen Eigenschaften des Arbeitsmarktes begünstigen das Ausmaß unternehmerischer Aktivität.
  • Mangelnde Zugänge zu Finanzierungsquellen werden als Hindernis für Unternehmertum wahrgenommen.
  • Soziokulturelle Faktoren, zum Beispiel mangelnde Risikobereitschaft, wirken sich nachteilig aus: Unternehmertum hat in Österreich keine ausgeprägte Tradition.
  • Auch das österreichische Bildungssystem – mit Ausnahme der Handelsakademien – trägt kaum zur Stärkung des Unternehmertums bei, da in jungen Jahren unternehmerisches Denken und Handeln nur wenig gefördert wird.

Handlungsempfehlungen des GEM-Teams Austria
Aus den gesammelten Ergebnissen hat das GEM-Team Austria Handlungsempfehlungen zur Verbesserung der Rahmenbedingungen für Unternehmertum erstellt. Diese lassen sich in drei große Handlungsfelder zusammenfassen:

  • Das Berufsbild des Unternehmers soll bereits im Schulalter verankert werden, unternehmerisches Denken und Handeln muss im Schulsystem forciert werden, ebenso gehören positive Rollenmodelle von Unternehmern in der Öffentlichkeit kommuniziert.
  • Der Markt für Gründungs- und Beteiligungskapital muss stimuliert werden. Dabei geht es um maßgeschneiderte Finanzierungsprogramme ebenso wie um eine Zusammenführung und Übersichtlichkeit der Angebote.
  • Die Übersichtlichkeit von Förderprogrammen und Durchgängigkeit der Antragsunterlagen kann gesteigert werden.

Quelle: Global Entrepreneurship Monitor, National Team AUSTRIA, www.gemaustria.at

Der GEM-Report Austria 05 wurde von der textbox lektoriert.

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