So gelingt Weihnachten in der Patchwork-Familie

Weihnachten kann gerade für Scheidungskinder eine schwierige Zeit sein. Der Verein RAINBOWS weiß, worauf Patchwork-Familien beim Fest der Familie besonders achten sollten.

Weihnachten ist traditionell das Fest der Familie. Doch wenn die Erwartungen zu hoch sind, hängt gerade an diesen Tagen der Haussegen schief. An kein anderes Fest sind so viele Hoffnungen, Sehnsüchte, aber auch Ängste geknüpft wie an die Weihnachtszeit. Was das ganze Jahr über nicht funktioniert, soll an Heiligabend klappen: Die vollzählige, harmonische Familie versammelt unter dem Weihnachtsbaum, mit glücklich strahlenden Kindern. Das kann aber nicht funktionieren. Wie zu keiner anderen Zeit des Jahres wird in der Weihnachtszeit die heile Familie als Ideal gefeiert. Das weckt bei denen, die scheinbar keine mehr haben, Schuldgefühle. „Auch Verluste und Trennungen werden oft gerade um diese Zeit so richtig spürbar, schwelende Konflikte innerhalb der Familien brechen oft unter dem Christbaum auf“, sagt die Geschäftsführerin von RAINBOWS Österreich, Dagmar Bojdunyk-Rack. Sie weiß auch: „Kinder, die nach einer Trennung erst noch mit der neuen Situation fertig werden müssen, leiden Weihnachten oft ganz besonders. Viele Kinder wünschen sich Harmonie, und dass die Eltern sich gut vertragen. Gleichzeitig ist es für Scheidungskinder nahezu unmöglich, sich für einen der beiden Elternteile zu entscheiden, denn jede Entscheidung für einen Elternteil wird von den Kindern immer auch als Entscheidung gegen den anderen Elternteil empfunden.“

Scheidungskinder: Alte Wunden schmerzen wieder
Weihnachten, das Fest der Kinder, das Fest der Familie, der Liebe und des Schenkens, berührt bei Scheidungskindern häufig längst verheilt geglaubte Wunden. Sie assoziieren mit dem Fest oft Vorstellungen von Friede, Freude und der „alten“ Familie. Sie durchleben jedes Jahr an Weihnachten in ihrer Erinnerung mit unterschiedlicher Intensität das „alte“ Weihnachten, die „alten“ Bräuche, sehen die „alten“ Verwandten, die „alte“ Wohnung, den „alten“ Christbaum, erinnern sich daran, als Mutter, Vater und Geschwister zusammen feierten, möglicherweise noch in trauter Harmonie. Wichtig und richtig ist es immer, wenn man diese Erinnerung anspricht und die Kinder damit nicht allein lässt. „Wichtiger als Geschenke sind die emotionale Zuwendung und der Ausdruck der Wertschätzung, gerade auch von Seiten der ‚neuen’ Familie“, empfiehlt Dagmar Bojdunyk-Rack. „In jedem Fall sollte gewährleistet sein, dass die Kinder beide Elternteile besuchen und natürlich auch die Geschenke von ihnen annehmen dürfen.“

RAINBOWS-Tipps für ein Weihnachten in der Patchwork-Familie:

    Zuwendung schenken: Kinder, deren Eltern sich getrennt haben, brauchen zu Weihnachten besondere Zuwendung. Zum Fest der Familie werden häufig Wunden berührt, die im Alltag als längst verheilt gelten. Es ist daher wichtig, Erinnerungen anzusprechen und die Kinder nicht mit ihren Gefühlen allein zu lassen. Beide Eltern sollen den Kindern zeigen: „Ich bin für dich da.“
    Zeit und Ort der Feier: Wo und wie gefeiert wird, müssen die Eltern entscheiden. Sie sollen ihre Kinder zwar mitbestimmen lassen und Weihnachten nicht über ihre Köpfe hinweg organisieren. Trotzdem sollen die Eltern nicht das Kind über Ort und Art der Weihnachtsfeier entscheiden lassen, denn sich hier gegen einen Elternteil auszusprechen, ist eine große Belastung für das Kind. Statt sich über Termine und Ort der Feier zu streiten, sollten Familien lieber zweimal Weihnachten feiern.
    Art der Feier: Wie gefeiert wird, kann nicht jedes Jahr für alle zu 100% passen. Aber es muss auch nicht jedes Jahr Weihnachten völlig gleich gefeiert werden. Mama und Papa können sich von Jahr zu Jahr abwechseln und das Fest nach ihren jeweiligen Vorstellungen mit den Kindern ausrichten.
    Gemeinsam Feiern? – Eher nein! Eine gemeinsame Weihnachtsfeier getrennter Eltern würde nur die Hoffnung der Kinder verstärken, dass wieder alles so wie früher werden könnte. Die Kinder würden auch die Zeit nutzen, um zwischen den Eltern zu vermitteln.
    Geschenke: Kinder sollen Geschenke vom Elternteil, der nicht mehr im gemeinsamen Haushalt lebt, annehmen dürfen. Wenn der Umgang zu Weihnachten eingeschränkt oder gar verweigert wird, trifft dies die Kinder besonders hart. Nur: Eltern sollten sich nicht gegenseitig mit Geschenken ausstechen und in Konkurrenz treten.
    Der neue Partner: Auch wenn der Patchwork-Papa oder die Patchwork-Mama an anderen Tagen eine wichtige Bezugsperson ist: Rund um Weihnachten sollte man sich bemühen, zurückzustecken und nicht als KonkurrentIn die Situation zu verschärfen. Keinesfalls sollte der leibliche Elternteil ausgrenzt werden!

Weitere Informationen:
Mag. Dagmar Bojdunyk-Rack
Geschäftsführerin Bundesverein RAINBOWS
Theodor-Körner-Straße 182/1, 8010 Graz
Tel.: 0316/688670
E-Mail: d.bojdunyk-rack@rainbows.at
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