Textbox-Wort des Monats: unterwältigend

Im von mir favorisierten englischen Fotomagazin, das ich abonniert habe, häufte sich in den letzten drei Ausgaben die Verwendung des Wortes „underwhelming“. Nettes Wort. Durch seine Verwendung kann man sich sowohl in der Sache überlegen als auch kreativ im Sprachgebrauch fühlen. Seltsam nur, dass ich auf Deutsch noch nie „unterwältigend“ gelesen hatte.

Schlag nach bei Google – Ergebnis unterwältigend
Ich dachte schon, ich würde absolutes Neuland betreten, wenn ich „unterwältigend“ auf der Textbox-Homepage als Wort des Monats präsentiere. Doch dank Google wurde ich eines Besseren belehrt: Rund 900 Belege zeigt die Suchmaschine an, wenn man „unterwältigt“ angibt. Wenn man sich allerdings durch die Ergebnisse klickt, ist bei 304 Belegen das Ende der Fahnenstange erreicht. Ähnlich mager die Ausbeute, wenn man „unterwältigt“ eingibt: 1.150 Treffer werden hochgerechnet, aber nur 199 werden in realiter auch angezeigt.

Fazit: Der Markt für „unterwältigend“ bzw. „unterwältigt“ ist noch bei weitem nicht ausgeschöpft. Wenn das englische Pendant tatsächlich so beliebt ist, wie es der inflationäre Gebrauch in meinem liebsten Fotomagazin nahelegt, dann wird das Wort wohl bald über die gewohnten Nachrichtenkanäle aus dem Englischen nach Deutschland schwappen und von dort mit einiger Zeitverzögerung schließlich auch in Österreich landen. Im Juli 2012 ist es vermutlich so weit.

Wenn Sie dann im „Standard“ oder in sonst einem Blatt, das sich am Puls der Zeit fühlt, in jedem dritten Artikel sprachlich unterwältigt werden, denken Sie daran: Das erste Mal haben Sie diesen Ausdruck bei der Textbox gelesen.

Werner Schandor