Tibet-Tage 2009: „Tibet ist ein riesiges Gefängnis“

Graz – Als „bedrückender denn je zuvor“ bezeichnet Lopsang Gyalpo, der Sprecher der Tibetergemeinschaft in Österreich, die Lage in seinem Heimatland. Anlässlich des 50. Jahrestages des Aufstandes von Lhasa und der Flucht S. H. des Dalai Lama nach Indien im März 1959 wird in Wien, Graz, Linz und Amstetten mit zahlreichen Programmpunkten Einblick in die tibetische Kultur gewährt.

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Eine tibetische Filmwoche im Wiener Schikaneder-Kino, Vorträge, Lesungen und Gedenkmärsche in Graz, Linz und Amstetten – mit einem umfangreichen Programm vorwiegend kultureller Veranstaltungen erinnern tibetische und buddhistische Organisationen in den kommenden zwei Wochen an die Lage im besetzten Tibet und an die dramatischen Tage im März 1959, als in Lhasa der Aufstand der Tibeter gegen die chinesische Besatzungsmacht blutig niedergeschlagen wurde und S. H. der Dalai Lama die Flucht ins indische Exil antrat.

Nachdem es im März 2008 erneut zu Aufständen in Tibet und in der Folge zu weltweiten Protesten gekommen war, haben heuer die chinesischen Machthaber das Land am Dach der Welt fürsorglich abriegeln lassen. „Seit Mitte Jänner wurden in Tibet 5.000 Menschen inhaftiert“, berichtet Lopsang Gyalpo, der Sprecher der Tibetergemeinschaft in Österreich, bei einem Pressegespräch im buddhistischen Zentrum She Drup Ling in Graz. „Um Proteste zu verhindern, sind die Städte und Klöster belagert von chinesischen Sicherheitskräften in Zivil und von Militär. Das Land gleicht einem riesigen Gefängnis. Die Lage ist heute bedrückender denn je zuvor.“

Tibetische Kulturschätze präsentieren – Stellungnahme der Regierung einfordern
„Mit den Tibet-Tagen wollen wir die Schätze der tibetischen Kultur präsentieren, damit vielen Menschen klar wird, was wir hier verlieren könnten“, sagt Tenzin Drölma (Beate Zweytick), die Leiterin des buddhistischen Zentrums She Drup Ling in Graz. Beim Pressegespräch zur Vorstellung des Programms sprach auch der Grazer Altbürgermeister Alfred Stingl, unter dessen Amtszeit die Ernennung von Graz zur ersten Menschenrechtsstadt Europas im Jahr 2000 fiel wie auch das Weltbuddhistentreffen „Kalachakra“ im Jahr 2003. Alfred Stingl sagte: „Ich erwarte mir anlässlich des 50. Jahrestages des Aufstandes von Lhasa auch eine klare Position von Repräsentanten der Republik. Österreich hat sich im vergangenen Jahr um den Sitz im Sicherheitsrat der UNO bemüht, aus diesem Grund hat Österreich eine besondere Verpflichtung, sich einzumischen, wenn Menschenrechte mit den Füßen getreten werden.“

Save Tibet: 1000. österreichische Patenschaft für tibetische Kinder vermittelt
Nach wie vor treten Tausende vor allem junge Tibeter Jahr für Jahr die lebensgefährliche Flucht über den Himalaya nach Indien an. Der Verein Save Tibet unterstützt die Exiltibeter in Indien auf vielfältige Weise. „Wir unterstützen Schulen und Kinderdörfer und versuchen all unsere Kräfte einzusetzen, um der tibetischen Kultur das Überleben im Exil zu ermöglichen“, sagt Elisabeth Zimmermann, Obfrau von Save Tibet. „Vor Kurzem haben wir die 1000. österreichische Patenschaft für tibetische Kinder vermittelt. Damit finanzieren wir Ausbildungen für junge Tibeter und geben ihnen Chancen für eine Zukunft, die sie unter chinesischer Besatzung in Tibet nicht haben.“ – Save Tibet organisiert in Wien die Filmreihe „8 Tage in Tibet“, die vom 10. bis 17. März 2009 im Schikaneder zu sehen sein wird.

Inge Brenner vom Verein zur Förderung interkultureller Begegnung, Alt-Bgm. Alfred Stingl, Kunsang Wangmo (Vorsitzende der Tibetergemeinschaft Österreichs), Lobsang Gyalpo, Tenzin Drölma, Elisabeth Zimmermann (v.l.), Foto: textbox.at

Das Programm der Tibet-Tage im Internet:
Graz: www.shedrupling.at
Wien/Österreich: www.savetibet.at

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