Warum ist überhaupt Blödheit …?

Eigentlich seltsam, dass anscheinend noch niemand die Idee hatte, eine Religion zu gründen, die der humanen Idiotie geweiht ist. Schließlich ist die Dummheit eine der ganz großen Konstanten der Menschheit.  Unterhaltungsindustrie, Wirtschaft und Politik bezeugen jeden Tag, dass Sigmund Freud, als er Eros und Thanatos in sein Modell der menschlichen Psyche einbrachte, die dritte bestimmende Größe schlicht übersehen hat, die als Fugenkit zwischen den beiden beherrschenden Kräften wirkt – nennen wir sie einfach Idiotos. Und betrachten wir die Neuigkeiten des Tages unter diesen Vorzeichen, dass der Mensch vielleicht schlicht zu blöd ist, sich das Überleben auf dieser Erde zu sichern. Von den seit jeher auftretenden Gemetzeln untereinander einmal ganz zu schweigen.

Aber auch im Makrobereich des Alltagslebens wird man permanent mit der Unzulänglichkeit des Denkapparates konfrontiert. Dabei sind nicht vorrangig die Idioten gemeint, denen man zwangsläufig im Lauf des Lebens immer wieder über den Weg läuft. Sondern es reicht, das erstbeste elektronische Gerät zur Hand zu nehmen und sich zu überlegen, was man auf diesem Gerät trotz aller Versprechungen der Werbung alles nicht bewerkstelligen kann, weil man schlicht überfordert ist. Wenn man nun schon die Funktionen des Telefons, das man in der Hosentasche mit sich herumträgt, nicht mehr auf einen Nenner kriegt, wie soll das dann mit komplexen, unstofflichen Phänomenen wie der globalen Politik und der Weltwirtschaft noch funktionieren? – Ergo: Wir sind einfach nicht gescheit genug, die Zusammenhänge, in denen wir uns bewegen, zu durchschauen. Und bewegen uns daher, was den Geist betrifft, im Großen und Ganzen wie größenwahnsinnige Mikroben durchs Leben. Das kann auch etwas Schönes haben. Die Kehrseite der Blödheit ist ja die Idylle, die man sich als Mensch, der ganz auf sich bezogen lebt (um hier sehr gelehrt den ursprünglichen Sinn des Wortes „Idiotie“ anklingen zu lassen), hingeben kann. Ausdrucksform der blöden Schönheit ist der Kitsch.

Das Jubiläumsheft Nr. 25 des Feuilletonmagazins schreibkraft will sich mal so richtig dumm stellen und unter dem Titel „schön blöd“ auf die vielfältigen Pfade der Idiotie begeben. Gleichzeitig hofft die Redaktion, Ansätze und Strategien aufzeigen zu können, wie man mit den alle Bereiche des Lebens durchdringende Dummheiten umgehen könnte. Zum Beispiel: Gibt es einen intelligenten Umgang mit Volkstümlichkeit? Wann wirkt Information verblödend und wie kann man sich dagegen wappnen? Auf welche Formen der Imbezilität zielt die moderne Politik ab? Lässt sich dem Nonsens ein neuer Sinn abringen? Gibt es blöde Architektur? Wer spricht blöde Sprache? Warum ist Dummheit ein probates Herrschaftsinstrument? Wie steht es um die Intelligenzforschung? Und ganz allgemein: Warum ist überhaupt Blödheit und nicht vielmehr nichts?

Hier wie immer die konkrete Handlungsaufforderung am Ende des Ausschreibungstextes: Schicken Sie Ihre Essays und feuilletonistischen Texte zum Thema im Umfang bis 18.500 Zeichen an folgende E-Mail-Adresse: schreibkraft@mur.at. Einsendeschluss ist der 1. März 2013.

Hier nochmals der Link zum Feuilletonmagazin schreibkraft