Karikatur über die Nutzung von Rechtschreib-Lexika

Die besten Online-Wörterbücher

Beim Schreiben und beim Lektorieren tauchen immer wieder Zweifelsfälle auf, die nach Klärung verlangen. Eine Suchanfrage bei Google ist gut, doch noch zuverlässiger sind die bewährten Lexika der deutschen Sprache, die auch online zugänglich sind.

Der Duden, der einem bei Rechtschreibfragen meist als Erstes einfällt, ist nicht mehr die beste Wahl. Warum das so ist und welche Lexika im Web den Duden überflügeln, verrate ich im folgenden Überblick, in dem ich auf diese Wörterbücher bzw. Regelwerke eingehe:

  • Duden
  • Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache DWDS
  • Österreichisches Wörterbuch
  • Wiktionary
  • Amtliches Regelwerk der deutschen Sprache
  • grammis.de

Der Duden: Eine Autorität hat abgedankt

Bis zur Rechtschreibreform von 1996 galt: Bei Unklarheiten ist für die amtliche Schreibung maßgeblich, was im Duden steht. Das sogenannte Duden-Privileg, das ab 1901 in Kraft war, ist jedoch seit 1996 Geschichte. Die korrekte Schreibung im Deutschen wird seither durch das „Amtliche Regelwerk der deutschen Rechtschreibung“ geregelt, das seit 2004 vom Rat für deutsche Rechtschreibung festgelegt wird (s. unten).

Mit Werbung zugemüllt

Den Duden gibt es online in einer kostenlosen Basisversion unter www.duden.de. Die ist allerdings mit Werbung überladen und erinnert optisch eher an einen Ramschladen als an eine seriöse Auskunftsstelle. Wer die Werbung loswerden möchte, zahlt rund 36 Euro jährlich für das Abo-Modell „Duden Pur“. In beiden Versionen liefert eine Suchanfrage die korrekte Schreibung, eine Begriffserläuterung sowie Synonyme, Grammatikhinweise und weiterführende Sprachinformationen. Letzteres setzt allerdings ein zusätzliches Abo voraus: „Duden Mentor“ bietet neben dem Exklusivzugang zum Sprachwissen auch eine Rechtschreibfunktion und kostet knapp 12 Euro monatlich in der Basis- und knapp 16 Euro in der Premiumversion. In Summe kann man bis zu 200 Euro im Jahr für umfassende Sprachinformationen plus integrierter Rechtschreibüberprüfung investieren. Das ist angesichts der kostenfreien Alternativen doch recht üppig.

In der Gratisversion www.duden.de wirkt das Wörterbuch wie ein linguistischer Pennyshop. Wer keine Werbung will, muss zahlen.

Ideologische Schlagseite

Mein größtes Problem mit dem Duden neben den Kosten bzw. der Werbung ist die deutliche feministische Schlagseite der Redaktion: Mit der 28. Auflage des Rechtschreibwörterbuchs anno 2020 hat sie sich vom wissenschaftlichen Credo verabschiedet, wonach seriöse Linguistik deskriptiv (beschreibend) zu sein hat, nicht präskriptiv (vorschreibend). Seither gelten maskuline Personenbezeichnungen wie Lehrer, Schüler oder Freund im Duden nicht mehr als Allgemeinform, sondern ausschließlich als spezifisch männlich – obwohl nur eine kleine Minderheit der Bevölkerung diese Lesart teilt.

Warum die forcierte Sprachpolitik des Dudens ein Problem ist, erläutere ich im Posting Der Duden und der vierbeinige Freund.

Mächtiger als der Duden: das DWDS

Wo der Online-Duden durch Werbung und teure Abos verstört, glänzt das „Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache“ (DWDS) mit grafischer Übersichtlichkeit und einem Wortbestand, der alles Dagewesene in den Schatten stellt. Das Online-Wörterbuch bietet rund 600.000 Einträge und deckt damit fast alle seit dem fernen Jahr 1600 im Deutschen verwendeten Wörter ab. Es speist sich unter anderem aus dem Rechtschreibwörterbuch von Wahrig, dem DDR-Lexikon der deutschen Gegenwartssprache und nicht zuletzt aus dem unermesslichen Fundus von Grimms 33-bändigem Mammut-Wörterbuch der deutschen Sprache. Auf jeden Eintrag, den Jacob und Wilhelm Grimm und nach ihnen Hunderte von Linguisten zwischen 1850 und dem Projektabschluss 2016 erstellten bzw. überarbeiteten, hat man im DWDS kostenlos und ablenkungsfrei Zugriff.

Umfassende Einträge, übersichtlich dargestellt

Die Startseite des DWDS erinnert an einen Warteraum, von dem viele Türen abgehen: Neben den eigentlichen Wörterbüchern laden umfassende öffentliche Wortsammlungen (Korpora), einzelne Sprachblogs (z. B. über chinesische Wörter im Deutschen) und sogar Worträtsel zum Erkunden ein. Davon muss man sich jedoch nicht ablenken lassen. Einfach einen Begriff in die Suchmaske auf der Startseite eingeben – und staunen!

Das "Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache" (DWDS) ist ein Ozean des Wissens und bietet umfassende, kostenlose und profunde Informationen zu 600.000 deutschen Wörtern.

Nicht nur Wörter und Wortformen werden vom DWDS aufs Übersichtlichste präsentiert; oft liefern die Einträge auch Angaben zur aktuellen Worthäufigkeit und zu ihrem Verlauf seit 1847 sowie zur geografischen Verbreitung eines Begriffs und zu Synonymen. Und das ohne schrille Werbung erschlagen oder feministische Wortinterpretationen auf schiefen lexikalischen Ebenen.

Ein Ozean für Sprachliebhaber

Das DWDS-Portal ist, was Umfang, Genauigkeit und Informationstiefe betrifft, ein Paradies für Wortliebhaber. Der Athener Kommissar Kostas Charitos, die Hauptfigur der Griechenland-Krimis von Petros Markaris, blättert zum Runterkommen gern in seinem Dimitrakos – dem griechischen Pendant zum Duden. Worterklärungen und -verweise helfen ihm bei seinen Ermittlungen oft auf die Sprünge. Würde er in Berlin leben und Deutsch sprechen, liefe er Gefahr, im DWDS aus dem Nachschlagen gar nicht mehr herauszukommen und das Ufer aus den Augen zu verlieren.

Apropos: Eine alte Form von „Ufer“ steckt im Städtenamen Hannover; die Bedeutung lautet „hohes Ufer“. Das Wort „Ufer“ ist vermutlich mit dem altgriechischen „ápeiros“ („Festland“, „Küste“) verwandt. Steht alles im DWDS, diesem uferlosen Ozean für Sprachliebhaber …

Für mich ist das DWDS ganz klar die Nummer eins, wenn es um verlässliche Informationen zur aktuellen Schreibung deutscher Wörter geht.

Das Österreichische Wörterbuch online

Anders als der Duden kennt das DWDS auch Austriazismen wie die „Krautfleckerl“. Aber heißt es „Krautfleckerl“ oder „Krautfleckerln“? – Wenn man Google danach fragt, kommen nur Rezepte raus.

Bevor es das DWDS gab, musste man für diese Frage das Österreichische Wörterbuch (ÖWB) bemühen und auf Seite 230 blättern („flankieren“ – „fletschen“). Und siehe da: Wir Österreicher nehmen es oft nicht so genau. Beides ist möglich: Fleckerl wie Fleckerln.

Spartanisch: die Such- und Anzeigenmaske der Online-Variante des Österreichischen Wörterbuchs ÖBW.

Die mittlerweile zugängliche kostenlose Online-Variante des ÖWB macht einen eher spartanischen Eindruck und weckt den Verdacht, es wäre dem Österreichischen Bundesverlag gar nicht recht, sein Wissen frei und gratis teilen zu müssen.

Man kann unter der Suchmaske zwischen „Stichwortsuche“ und „Im ganzen Wörterbuch suchen“ wählen. Ich würde auf jeden Fall Zweiteres empfehlen, weil auf diese Weise mehr Informationen bereitgestellt werden. Verglichen mit dem Duden und erst recht dem DWDS sind die Ergebnisse auf jeden Fall spartanisch.

Helferlein für Grammatikfragen: Wiktionary

Wie lautet der dritte Fall Plural für das Wort „Ziehharmonika“, wenn man ausdrücken will, dass man zwei oder mehreren dieser Instrumente gelauscht hat? Gerne hätte ich jetzt doch www.duden.de empfohlen, denn dort versteckt sich im dritten Feld rechts von der Suchmaske der Reiter „Grammatik“, der einem bei vielen Wörtern umfassende Deklinations- und Konjugationstabellen offenbart. Nur leider: Die Ziehharmonika ist grammatikalisch vom Duden nicht erfasst. Stattdessen bekommt man – erraten! – Werbung offeriert.

Abhilfe schafft die deutsche Version des freien Wortlexikons Wiktionary, das einem in der Übersicht des Wortes gleich auch die Deklination anzeigt. Lösung: Ich habe den Ziehharmonikas bzw. den Ziehharmoniken gelauscht. Beides ist möglich.

Eintrag "Ziehharmonika" im Wiktionary

In diesem freien Wörterbuch sind knapp 175.000 deutsche Wörter in ihren Grundformen erfasst. Ihre Flexion (Beugung) wird in Tabellen dargestellt – sehr praktisch, wenn man sich nicht sicher ist, wie der Dativ Plural eines Wortes lautet, wie z. B. in der Wendung „den Wörtern lauschen“ oder „den Worten lauschen“. 

Hier ist es amtlich

Wer zu den Quellen der Rechtschreibung vordringen will, findet auf der Website des Rats für deutsche Rechtschreibung das geltende „Amtliche Regelwerk der deutschen Rechtschreibung“ als PDF zum Download (Link s. unten).

Cover des PDFs "Amtliches Regelwerk der deutschen Rechtschreibung"

Wer steckt hinter den Regeln?

Der Rat ist ein 41-köpfiges Expertengremium aus Linguisten, Didaktikern, Journalisten, Verlegern und Autoren aller deutschsprachigen Länder. Er wurde 2004 ins Leben gerufen, um das Chaos nach der berüchtigten Rechtschreibreform von 1996 in den Griff zu bekommen: Die „Neue Rechtschreibung“ ersetzte damals nicht nur das „ß“ nach kurzen Vokalen durch „ss“ (Fluss, muss, dass …), sondern verursachte mit teils widersprüchlichen Regelungen zur Getrennt- und Zusammenschreibung sowie zur Schreibung von Fremdwörtern reichlich Verwirrung. „Ketschup“ und „Majonäse“ haben sich nie wirklich durchgesetzt und wurden mit der neuesten Rechtschreibnovelle 2024 endgültig aussortiert.

Der Aufbau des Regelwerks

Die Amtliche Regelung gliedert sich in zwei Teile:

  • Teil I des Regelwerks ist den geltenden Rechtschreibregeln gewidmet und legt in insgesamt 90 Paragraphen die Schreibung des Deutschen fest, wie sie in Schulen und Behörden anzuwenden ist. Kleiner Spoiler am Rande: Genderschreibungen mit Sonderzeichen sind nicht regelkonform. Sie werden vom Rat aus mehreren Gründen nicht anerkannt – unter anderem, weil sie Menschen mit geringeren Sprach- und Lesekenntnissen das Verständnis unnötig erschweren. Dennoch ignorieren einige Schulen und Behörden diese Richtlinien bzw. interpretieren die Vorgabe, sich an die amtliche Rechtschreibung zu halten, fälschlicherweise als „Genderverbot“.
  • Teil II des Regelwerks ist ein Wörterverzeichnis mit aktuell ca. 7.000 Einträgen. Es konzentriert sich auf orthografische Zweifelsfälle, Fremdwörter und den deutschen Kernwortschatz. Varianten wie „gefakt/gefaked“ stehen dort gleichberechtigt nebeneinander – praktischerweise mit Verweis auf die entsprechenden Paragraphen in Teil I. Im vorliegenden Fall greift § 21: „Bei Fremdwörtern aus dem Englischen werden Flexionsendungen in der Regel an die deutsche Laut-Buchstaben-Zuordnung angepasst.“ Konkretisiert wird dies im Zusatz E2: „In zwei Fallgruppen ist im Partizip II auch die der Herkunftssprache entsprechende Flexionsendung -ed zulässig.
    (1) bei Verben, deren Infinitiv im Englischen auf ein stummes e endet: getimt/getimed (zu to time), gelikt/geliked (zu to like), gefakt/gefaked (zu to fake)
    (2) bei Partizip-II-Formen, die vorwiegend unflektiert gebraucht werden: overdresst/overdressed, relaxt/relaxed“

Darf’s ein bisserl genauer sein?

Wenn man noch mehr über das Faken, Liken und Timen im Kontext der deutschen Grammatik wissen will, kann die Online-Ausgabe der Amtlichen Regelwerks konsultieren. Hier gibt es nach dem Wörterverzeichnis noch eine Rubrik „Stichwortergänzende Hintergrundinformationen“, die im PDF fehlt. Dabei werden verschiedene mögliche Schreibungen von Zweifelsfällen in ihrer Häufigkeit erfasst (z. B. „gelbe/Gelbe Karte“), und es wird nachvollziehbar, wie der Rat arbeitet und zu seinen Entscheidungen kommt.

Das Grammatisches Informationssystem grammis ist ein frei zugängliches Online-Portal des Leibniz-Institut für Deutsche Sprache, das fundierte Erklärungen, Beispiele und wissenschaftlich abgesicherte Hintergründe zur deutschen Grammatik mit umfangreichen Wörterbüchern, Datenbanken und Lehrmaterialien bündelt. Rubriken wie „Frage der Woche“ und Wort-„Torte der Woche“  liefern einen niederschwelligen Zugang zum für viele als sperrig empfundenen Thema Grammatik. 

Eine dieser Wort-Torten verrät, dass 63 % gefakt schreiben, 16 % gefaked und immerhin 21 % sich für den falschen Kompromiss „gefaket“ entscheiden.

Wort-Torte zum Partizip Perfekt von "faken"

Die wichtigsten Websites für Fragen der Rechtschreibung und Grammatik: