Texter und die Namensnennung – manchmal eine Leidensgeschichte.
Wer ein fremdes Foto in einer Broschüre verwendet oder im Web veröffentlicht, muss den Urheber nennen. Das weiß mittlerweile jedes Unternehmen und hält sich auch daran. Doch sobald es um Texte geht, fehlt vielfach das Bewusstsein für den Urheberschutz, der in Österreich keinen Unterschied zwischen Bild und Text macht.
Ich hatte mehrere Kunden aus dem öffentlichen Bereich, die in Sachen Bildnachweis absolut penibel sind. Bei den Texten, die ich und andere für sie verfassten, wurde auf die Autorennamen aber immer wieder „vergessen“. Das war nicht bös gemeint. Ihnen war die Rechtslage nicht klar.
Recht eindeutige Sache
Dabei ist diese in Österreich sehr eindeutig: Literarische Werke sind geschützt. Laut § 2 Abs. 1 des Urheberrechtsgesetzes (UrhG) genießen „Sprachwerke aller Art“ den Urheberschutz, sobald sie eine persönliche geistige Schöpfung darstellen. Das bedeutet in der Praxis: Bedienungsanleitungen fallen nicht unters Urheberrecht. Ein flockiger Blogtext für die Unternehmenswebsite, bei dem es um die Bedienungsanleitungen geht, aber schon. (Sofern er nicht von der KI geschrieben wurde.)
White-Label-Texte
Als Urheber kann man auf sein Recht auf Namensnennung verzichten. Ich habe in den letzten Jahren zig White-Label-Texte verfasst und auf die Kennzeichnung verzichtet. Bei Pressetexten, die man für Dritte schreibt, würde es auch seltsam wirken, wenn zusätzlich zum Presse-Ansprechpartner noch der Name des Texters druntersteht. Der Punkt ist jedoch: Die Entscheidung darüber liegt gemäß UrhG § 20 Abs. 1 bei den Kreativen, nicht bei den Auftraggebern. Man muss gefragt werden.
Sichtbarkeit für das Texter-Handwerk
Die Namensnennung bringt vor allem bei der Google-Suche Vorteile für die Texter-Website. Mir geht es aber auch um die Anerkennung der sprachlichen Kreativleistung. Denn hinter jedem guten Text stecken mehrere Stunden Recherche, Hirnschmalz und Feinschliff. Und eben auch individuelle Kreativität. Zudem bestätigt man mit seinem Namen, dass ein Mensch hinter dem Text steckt und keine KI. Das könnte auch für Auftraggeber ein Gütesiegel sein.
Foto: Selbstporträt vor der Statue des Anonymus im Stadtwäldchen von Budapest (Mai 2025)

