Wem gehört mein Computer?

Windows gehört ganz Ihnen! – Mit diesem Satz begrüßte mich Windows nach dem Abspulen eines größeren Updates im Herbst 2020. Der Satz machte mich stutzig. Ist dem so?

Gehört Windows auf meinem Computer tatsächlich mir? Dann ist es seltsam, dass das Betriebssystem bei jedem größeren Update einzelne Einstellungen im Startmenü oder auf dem Desktop umräumt. Mal sind es neue Programme, die ich weder brauche noch haben will, wie „Print 3D“, „Xbox Game“ und „Ihr Smartphone“, die ungefragt mitinstalliert werden – manche davon ohne Möglichkeit, sie zu entfernen. Mal sind es die Farben der Kacheln, die plötzlich anders sind, als ich sie vor dem Update eingestellt hatte. Mal sind es neue Symbole auf der Taskleiste. Im Oktober 2020 war es zum Beispiel der Kreis der Spracherkennung Cortana, der auf einmal neben der Suchlupe aufgetaucht war. Und bei einem Klick darauf kam die Meldung: „Cortana ist in Ihrer Region nicht verfügbar“. Danke für die Information! Warum wird es dann beim Update ausgeliefert und prominent auf der Useroberfläche platziert? Und warum lässt sich das verdammte Cortana nicht deinstallieren?

Beim bis dato letzten Update Anfang Dezember 2020 zeigte sich unvermutet ein „Jetzt besprechen“-Symbol neben dem Batteriesymbol auf der Taskleiste. „Jetzt besprechen“ will einen zu Skype verbinden. Wozu soll das gut sein? Wenn ich Skype nutzen will, kann ich das bequem über das Startmenü machen. Erst über eine Google-Suche fand ich nach fünf Klicks die Unter-Einstellungen, wo man dieses Symbol von der Taskleiste entfernen konnte.

Wenn der Vermieter dir neue Bilder aufhängt

Windows verhält sich bei den Updates wie ein Vermieter, der einem bei Reparaturarbeiten im Heizkeller gleich auch noch die Blumen im Wohnzimmer umstellt und drei neue Bilder aufhängt, weil er es so schöner findet. Selbst wenn das gut gemeint wäre – in Wahrheit ist es eine Zumutung. Es sind Grenzübertretungen, die einem das Gefühl geben, nicht Herr über seinen Computer zu sein. Ist das gewollt? Lässt Microsoft den Respekt vor der digitalen Privatsphäre nur aus Unbedachtheit vermissen, oder will es einfach daran erinnern, wer am Computer das Sagen hat? – Der User als Letzter. Und trotzdem: Ich will meine Programme und das individualisierte Erscheinungsbild von Windows nicht durch ein routinemäßiges Update geändert haben, ohne zumindest vorher gefragt zu werden. Von den fallweise problematischen Windows-Updates, die teils Abstürze verursachen und manchen Usern bereits Daten vernichteten, ganz abgesehen.

Microsoft unter dem Monopol-Radar

Anfang Dezember 2020 machte die Nachricht die Runde, dass in den USA dem Facebook-Konzern eine Monopolklage droht, weil er seine Marktmacht via WhatsApp, Instagram und die Hausmarke missbrauche. Auch Google, Amazon und Apple wurden in den Berichten als Quasi-Monopolisten genannt. Doch hoppla: Fehlte da nicht ein Name? Wie hieß noch das Unternehmen, von dem das Betriebssystem auf fast 90 Prozent aller Computer weltweit stammt?

Ja, man sollte die großen Player zerschlagen, die uns am digitalen Gängelband halten und dabei stets die Grenzen des Legalen ausloten und das Konzept der Privatsphäre aushöhlen. Aber da gehört sicher auch Microsoft dazu, das sich mit Windows und Office immer weiter in die Leben seiner User frisst. Und in Zeiten des Home-Schoolings mit flächendeckendem „MS Teams“-Einsatz die nächste Generation Windows-Sklaven heranzüchtet. Es ist höchste Zeit, das Betriebssystem Windows strikt von den Anwendungen und Services zu trennen, die von Microsoft ebenfalls vertrieben werden. Denn aus Windows plus Office inkl. MS Teams plus Skype plus Clouddiensten in einer Hand ergibt sich ein digitaler Moloch, der längst die volle Kontrolle über die Produktivität fast aller Bildschirmarbeiter weltweit erlangt hat. Vielleicht würde ein abgespeckter Microsoft-Konzern, der auf das Betriebssystem Windows „beschränkt“ ist (so man bei 89 % Marktanteil von Beschränkung sprechen kann), sich wieder ein bisschen mehr in Bescheidenheit üben, anstatt die virtuellen Schreibtische seiner User mit jedem Update ungefragt zu verändern und auch sonst jede Gelegenheit zu nutzen, einen mit neuen Features paternalistisch zu beglücken. Ganz abgesehen davon, dass wir nicht wissen, was Microsoft im Hintergrund mit unseren Daten anstellt. Aber das ist ein anderes Thema.