Kreative Arbeit sichtbar machen

Die Kultur Service Gesellschaft (KSG) des Landes Steiermark unterstützte steirische Künstlerinnen und Künstler in Rechts- und Steuerfragen, aber auch bei der Professionalisierung der Tätigkeiten, die mit dem Kunstschaffen einhergehen: Projektmanagement, Öffentlichkeitsarbeit, Fundraising etc. Angelika Vauti-Scheucher war Geschäftsführerin der KSG von 2007 bis zur Auflösung der Serviceeinrichtung Ende 2015. Im Interview gibt sie Einblicke in das Tätigkeitsfeld an der Schnittstelle von Kunst und Verwaltung. 

Eines der Aufgabenfelder der KSG war es, Kulturschaffenden Öffentlichkeit zu vermitteln. Brauchen das Künstlerinnen und Künstler überhaupt?
Die Öffentlichkeit für Kulturschaffende ist von immens wichtiger Bedeutung, Künstlerinnen und Künstler brauchen ein Gegenüber.  Kreative Arbeit sichtbar zu machen, ist gesellschaftlich relevant und fördert durch unterschiedliche Vermittlungskonzepte die Teilhabe an künstlerischen Produktionen. Der daraus resultierende Dialog zwischen Kulturinteressierten und Künstlern ist unabdingbar für einen lebendigen, kritischen und kreativen Kulturbetrieb.

Ich konnte für die KSG von 2007 bis 2015 die Reihe ARTfaces kuratieren und die Redaktion für die Beiträge übernehmen. Warum habt Ihr das extern vergeben, und wie lief die Zusammenarbeit aus deiner Sicht?
Als Serviceeinrichtung des Landes Steiermark haben wir eine Plattform zur Verfügung gestellt, die das große Potenzial steirischer Kulturschaffender quasi „vor den Vorhang“ geholt hat. Das Projekt „ARTfaces“ konnte sich nur durch beste Netzwerkarbeit, einschlägige Expertise und eine lebendige Kommunikationskultur so hervorragend entwickeln. Mit der Wahl des Kurators war garantiert, dass wir all diese Herausforderungen äußerst professionell bewältigen können. Und der Erfolg gab uns in unserer Grundüberlegung Recht: Die Online-Galerie entwickelte sich nicht nur zu DER repräsentativen Visitenkarte des Kulturlandes Steiermark, sondern auch zu einem einzigartigen Marketinginstrument, das von den Künstlerinnen und Künstlern selbst aktiv mitgestaltet wurde. Etwas Schöneres kann einem, unternehmerisch gesehen, gar nicht passieren.

Was sind generell die Herausforderungen im Management eines Kulturbetriebes an der Schnittstelle von Verwaltung und Kulturszene?
Kulturanbieter sind kontinuierlich wachsenden Erwartungen ausgesetzt und müssen zudem mit sich ständig verändernden Rahmenbedingungen umgehen können. Herausforderungen, wie steigender Angebotswettbewerb, Kostendruck oder öffentliche Präsenz und Vermarktung, müssen von immer besser qualifizierten Kulturmanagern bewältigt werden. An der Schnittstelle zwischen Verwaltung und Kulturszene wird insbesondere das natürliche Spannungsverhältnis zwischen dem Verwalten und Gestalten sichtbar. Es ist ein Drahtseilakt, der die Arbeit der KSG in einer vermittelnden Zwischenposition wohl am besten symbolisiert hat.

Eine wichtige Schiene bei der KSG war die Weiterbildung. Welche Überlegung stand dahinter, Workshops und Kurse für Leute in der Kunstszene anzubieten?
Aus- und Weiterbildung sind Garantie für die Professionalisierung des Kunst- und Kulturbetriebes. Qualifizierung bedingt Zukunftsfähigkeit – mit unserem maßgeschneiderten Programm haben wir ebenso auf die speziellen Bedürfnisse von Künstlerinnen und Künstlern reagiert wie auf jene der Kulturanbieter. Im Mittelpunkt stand dabei immer die Entwicklung von Kompetenzen und Strategien, welche mit Fachexperten aus dem Kunst- und Kulturbereich erarbeitet wurden.

Wie war das generelle Feedback auf diese Workshops, zu denen ich ja auch mein texterisches Know-how beisteuern durfte?
Die Nachfrage war letztendlich größer als das Angebot, das wir leisten konnten. Neben der fachlichen Spezialisierung punkteten die Workshops auch durch die Durchmischung der Genres. Verschiedenste Kunstsparten haben gemeinsam gearbeitet, sich ausgetauscht und auch Neues entwickelt. Auf diese Weise sind, unabhängig von der fachlichen Vermittlung, viele innovative Impulse und nachhaltige Kooperationen entstanden. Das Angebot der Textbox musste von uns erst gar nicht beworben werden, die Workshops waren im Nu ausgebucht: denn Schreiben und textliches Gestalten gehören zu den wesentlichen Instrumenten des Kulturmarketings, bestmöglicher Erfolg nicht ausgeschlossen!

 

Angelika Vauti-Scheucher hat an der Universität Graz Germanistik und Anglistik studiert und in dieser Zeit als freie Mitarbeiterin im ORF-Hörfunk journalistische Erfahrungen gesammelt. Nach Studienabschluss verwirklichte sie zuerst als Bildungsreferentin, in der Folge als Leiterin des Afro-Asiatischen-Instituts in Graz etliche interkulturelle Projekte und initiierte unter anderem 1997 den Grazer Multikultiball. Für ihr interkulturelles Engagement wurde sie 2001 mit dem Menschenrechtspreis des Landes Steiermark ausgezeichnet. 2007 wurde sie zur Geschäftsführerin der Kultur Service Gesellschaft (KSG) bestellt. Die Serviceeinrichtung wurde mit Jahresende 2015  vom Land Steiermark aufgelöst. Von 2000 bis 2015 war Angelika Vauti-Scheucher Leiterin der Kommission des Menschenrechtsbeirates des BMI und Leiterin der Kommission der Volksanwaltschaft für Steiermark und Kärnten. Seit 2006 ist sie Mitglied des Menschenrechtsbeirates der Stadt Graz. 

Foto von Angelika Vauti-Scheucher: ©  Miriam Raneburger